Vierhändig auf Gesanges Flügeln

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Das Lauterborner Gesprächskonzert würdigt drei Meister: Händel, Haydn, Mendelssohn.

Händels, Haydns und Mendelssohns Jubiläumsjahr kam dem Pianisten Werner Fürst sowie Berthold Mann-Vetter (Piano), Stefan Grunwald (Bariton) und Robert Flauaus (Moderation) beim 19. Von Reinhold Gries

Gesprächskonzert der Offenbacher Lauterborngemeinde recht; stehen die drei Meister doch für drei Epochen. Vom Leben des homophilen Händel ging es zu Opern und Oratorien. Er und Bach trafen sich nie, teilten aber das Geburtsjahr 1685 und ihren „Todesengel“, den Augenarzt John Taylor. Haydns Wirken kam nie provinziell daher. Zwischen Wien, Schloss Esterhàza und London entwickelte sich der Klassiker zum Vorbild für Mozart und Beethoven. Anders der protestantische Jude Mendelssohn, dessen vom Vater angenommener Zusatz Bartholdy Probleme ausräumen sollte. Mit Haydn teilte er die Liebe zu den britischen Inseln.

Die Farbe zu so viel Information brachten Musikbeispiele. Bei der rasant-prachtvollen Ouvertüre zu Händels „Wassermusik“ sorgten Fürsts und Mann-Vetters tanzende Hände für Erstaunen. Transparent und rhythmisch beeindruckend Mann-Vetters Piano-Sarabande. Grunwalds großartig gesungene Arie „Why do the nations so furiously rage“ aus dem „Messiah“ wurde von Fürst gelungen untermalt.

Nach dem unvermeidlichen „Ombra mai fu“ aus Händels „Xerxes“ bestach Mann-Vetters Allegro aus Haydns Klaviersonate D-Dur durch geistreiche Motive, kultivierte Belcantomelodik und spannende Pianistik. Zum Höhepunkt wurde der vierhändig gesetzte Klavierauszug des Andante aus Haydns Sinfonie mit dem Paukenschlag – dank verblüffend synchroner Körpersprache und Spiel von Fürst und Mann-Vetter. Auch Mendelssohns genialer Ouvertüre zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ gewann das Klavierduo großen Eigenwert ab: Bravos!

Der Abschluss geriet besonders stimmungsvoll, dank Mann-Vetters traumhafter Interpretation von Mendelssohns Duetto As-Dur aus „Sechs Lieder ohne Worte“ und Grunwalds warmem Bariton, am Flügel herrlich unterlegt von Fürst. Die schwärmerische Arie „Seht auf die breiten Wiesen hin“ aus Haydns „Jahreszeiten“ beeindruckte wie das flehende „Gott, sei mir gnädig“ aus Mendelssohns „Paulus“. Als Liedsänger erster Güte zeigte sich Grunwald in Mendelssohns „Schilflied“ und „Der Mond“. Dessen Heine-Lied zog das Fazit: „Auf Flügeln des Gesanges“.

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