Virtuos an sechs Saiten

+
Alte Hits in teilweise neuen Arrangements stellte der von seiner Krebserkrankung gezeichnete Chris Rea in Frankfurt vor.

Der Himmel hängt voller Gitarren – in diesem Fall als Silhouetten aus bunten Neonröhren unterm Bühnendach. Vor der Leinwand hinter den Musikern schweben zwei weitere überdimensionale Gitarren in Blau. Und wer es bislang noch nicht geahnt hat: Der Mann, um den sich alles dreht in der Frankfurter Festhalle, ist Gitarrist. Und was für einer. Von Markus Schaible

Chris Rea streichelt sein Instrument, quält es, lässt es quietschen, jaulen, singen. Und schüttelt Soli aus dem Handgelenk, die zum Allerfeinsten gehören, was eine Gitarre und ein Gitarrist zu bieten in der Lage ist.

Vier Jahre nach seiner Abschiedstournee ist Chris Rea zurück auf den Bühnen Europas. Gezeichnet von den Folgen seiner schweren Krebserkrankung, aber trotzdem voller Energie. Einer Energie, die er voll und ganz in seine Musik steckt. Ein Entertainer war er noch nie und wird es auch nicht mehr werden. Ein paar Worte nur, die der 58-Jährige in den knapp zwei Stunden ans Publikum richtet – er lässt seine Songs sprechen. Und zwar laut und fetzig. Denn die Arrangements, die er seinen zahlreichen Hits verpasst hat, sind teilweise um einiges härter als im Original. Die fünfköpfige Band rockt kräftig mit, lässt auch den Blues nicht zu kurz kommen, spielt aber immer so, dass der Meister eindeutig im Vordergrund steht. Der tanzt über die Bühne, während er ein virtuoses Solo auf der Slide-Gitarre nach dem anderen spielt und so das Publikum in der gut halb vollen Festhalle begeistert.

Natürlich kann er auch softer, zwischendurch, schließlich hat er in seiner 30-jährigen Karriere auch erfolgreiche Balladen geschrieben. Doch der Rock steht im Vordergrund, eindeutig.

Seine rauchige Stimme ist noch ein bisschen tiefer geworden, dazu brüchiger. Es schadet den Songs nicht, im Gegenteil.

Dass er mehr kann als Musik machen, zeigt sich auf der Leinwand hinter der Bühne. Dort sind Bilder zu sehen, die Chris Rea gemalt hat – er begann damit in der Zeit seiner Erkrankung. Doch zum Glück hat er sich nicht ganz der Staffelei verschrieben, denn auf der Bühne macht er das, was die Fans von ihm wünschen: einfach gute Musik.

Kommentare