Hanauer Geiger Alois Kottmann feiert am Samstag 80. Geburtstag.

Virtuosentum stets mit Seele verbunden

Kraftvoll und konzentriert: Alois Kottmann in Ausübung seines Berufs

Die lange Liste seiner künstlerischen Verdienste macht Mozarts Register-Arie Konkurrenz: Der gebürtige Hanauer Geiger Professor Alois Kottmann wird am Samstag 80 Jahre alt. Und ist als Solist, Orchestergründer und -leiter, Hochschullehrer und Initiator von Konzertreihen und Musikpreisen aus Rhein-Main-Landen kaum wegzudenken.

Mit der Alten Musik in hohem Maße vertraut, beschritt Kottmann oft ungewöhnliche konzertante Wege und bewies dabei ein kaum glaubliches Durchsetzungsvermögen. Legendär ist sein Engagement für hiesige Komponisten wie Paul Hindemith, Kurt Hessenberg oder Richard Rudolf Klein.

„Junge Musiker werden zu sehr auf Technik und Virtuosität geschult – auf der Strecke bleibt das Seelische, ein wesentliches Movens der Musik“, hat Kottmann einmal gesagt. Und es blieb nicht bei guten Worten. Als Lehrer am Hoch’schen Konservatorium, an der Frankfurter Musikhochschule oder am Mainzer Peter-Cornelius-Konservatorium hat er seine Maxime in Taten umgesetzt. Auch als Gründer des Kammerorchesters Collegium Instrumentale Alois Kottmann (1968) sowie der Kottmann-Streicher (1988) bei hoher konzertanter Frequenz und mit seinem Sohn Boris als Primarius, ebenfalls ein hochkarätiger Geiger.

Erinnert sei an die von ihm initiierten Philippsruher Schlosskonzerte, ein Hanauer Markenzeichen, das mit unerwarteten Begegnungen überraschte. So hat Kottmann Literarisches ins Klassik-Ritual eingebracht, was sich im Nachhinein als ideale Ergänzung erwies. Selbst mit dem Jazz hatte der umtriebige Geigenprofessor keine Berührungsängste. Zu seinen Freunden – auch konzertant in Philippsruhe präsent – zählte der legendäre Frankfurter Jazzposaunist Albert Mangelsdorff. Bei den Internationalen Musiktagen in seiner Wahlheimat Hofheim disputierten Musikwissenschaftler und Journalisten über den Geist der Zeit.

Kottmanns Idee war es, den Paul-Hindemith-Preis für Kunst und Menschlichkeit in Hanau auszuloben. Es kennzeichnet den unbeugsamen Musiker und Menschen, dass er sich 2004 nach monatelangem Streit um den Ort der Preisverleihung an den Berliner Dirigenten Daniel Barenboim (der nicht nach Hanau reisen wollte oder konnte) aus der Jury zurückzog.

Kottmanns Werdegang begann in Frankfurt bei der Flesch-Moodie-Schülerin Marie-Louise Graef-Moench. Wichtige Impulse empfing er durch Begegnungen mit der Pianistin Elly Ney und dem Cellisten Ludwig Hölscher. Mit dem Pianisten Günter Ludwig bildete er ein renommiertes Duo, das auch auf Platten zu erleben ist. Spektakulär war Alois Kottmanns Einspielung der Solo-Sonaten und -Partiten von Johann Sebastian Bach. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt der Musiker den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

80 und kein bisschen leise? Wer Alois Kottmann kennt, geht darauf jede Wette ein ... KLAUS ACKERMANN

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