Virtuoser Altmeister

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Die zwei sind füreinander geschaffen: Mark Knopfler und seine geliebte rote Fender Stratocaster.

1982 war‘s, als der 16-Jährige sein erstes großes Konzert erlebte. Die Dire Straits auf ihrer „Love over Gold“- Tour. Mit dem Kumpel ab 14 Uhr in brütender Hitze vor der Festhalle gestanden, einen Kanister Apfelwein dabei, um die Wartezeit zu verkürzen. Von Ralf Enders

Stehplatz erste Reihe. Zwei Stunden beseelt, im jugendlich-sorgenfreien Rausch von Mark Knopflers Gitarrenspiel. Sensationell gute Zeiten waren das. 28 Jahre später kommt Knopfler wieder in die Frankfurter Festhalle. Er hat sich einen Nerv eingeklemmt und darf auf Anraten seines Arztes nicht stehen und gehen.

Der Berichterstatter ist auch keine 16 mehr, kommt eine Viertelstunde vor Beginn und trinkt alkoholfreies Bier. Der Saal ist bestuhlt, das Publikum eher betulich denn enthusiastisch. Verdammte Hacke, wir sind alt geworden. Die gute Nachricht: Wir sind mit den Dire Straits und Mark Knopfler alt geworden!

„Get Lucky“ heißt die aktuelle Deutschland-Tour, die der mittlerweile 60-jährige Knopfler am Montagabend in der mit 8 000 Zuschauern ausverkauften Festhalle startete. Und die Freunde des gepflegten Gitarrenspiels wurden glücklich. Auf die Ohren gab‘s Songs vom gleichnamigen aktuellen Album („Border Reiver“), frühere Knopfler-Solostücke („Sailing To Philadelphia“) und die Klassiker der legendären Dire Straits („Sultans Of Swing“). Auch wenn der Altmeister im Sitzen bisweilen etwas steif wirkte: Seine Riffs und Soli sind nach wie vor atemberaubend, das Zusammenspiel mit den sieben formidablen Musikern perfekt. Das Publikum war zu Recht begeistert vom Tourauftakt.

Knopfler ist begnadeter Geschichtenerzähler

Ob Knopfler der beste Gitarrenspieler aller Zeiten ist, wie viele behaupten, ist nicht festzustellen. Fest steht: Er ist einer der besten. Das liegt vor allem an seiner besonderen Technik. Er zupft die Saiten seiner roten Fender Stratocaster virtuos mit den Fingerspitzen, statt ein Plektrum zu benutzen. Dieser besondere Sound, der die Melodien bisweilen nur andeutet, kommt vor allem in langen Passagen von Songs wie „Telegraph Road“ – eine von drei stürmisch gefeierten Zugaben – oder den „Sultans“ zur Geltung. Zwei Anschläge, und jeder weiß: Knopfler spielt.

Was darüber gern vergessen wird: Der ehemalige Journalist und Lehrer ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Wie in der letzten Zugabe „Piper To The End“, berührende Hommage an seinen Onkel Freddie, der als Dudelsackspieler im Zweiten Weltkrieg fiel und im Song die Musik über den Tod hinaus liebt. Große Geschichten zu großer Musik.

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