Visionär Coltrane im Fokus

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Coltrane steht im Fokus des 42. Deutschen Jazzfestivals in Frankfurt.

Frankfurt - Dem Rufzeichen ist Symbolwert zuzuschreiben. Impulse!, von Creed Taylor als Abteilung von ABC-Paramount gegründet, hat in 15 Jahren bis 1976 den Aufbruch in die Jazzfreiheit entscheidend befördert. Von Sebastian Hansen

Größen wie Ornette Coleman, Freddie Hubbard, Charles Mingus, Sonny Rollins und John Coltrane bot Impulse! Freiraum; mit der satten Ernte etlicher Klassiker, die das Publikum erst verschreckten und heute im Kanon verankert sind.

Coltrane steht im Fokus des 42. Deutschen Jazzfestivals in Frankfurt, das Impulse! zum Schwerpunkt hat. Befürchtungen, es stünden Coltrane-Weihefestspiele an, tritt Guenter Hottmann mit Peter Kemper, Ulrich Olshausen und Olaf Stötzler von der Jazzredaktion des Hessischen Rundfunks entgegen. Mit Archie Shepp und McCoy Tyner sind zwar die letzten Weggefährten des Visionärs engagiert. Junge Musiker indes sollen Ansätze beitragen, die ähnlich unorthodox sind.

Coltranes „Africa/Brass“ führt die hr-Bigband mit Shepp als Solist auf. Abweichend vom dunkel timbrierten Originalarrangement Eric Dolphys hat Dirigent Charles Tolliver eine Fassung für klassische Bigband geschaffen. Shepp tritt zudem im Duo mit Pianist Joachim Kühn auf: Der und sein Klarinette spielender Bruder Rolf sind die einzigen Deutschen, die auf Impulse! je veröffentlicht haben. Für die Neubeschäftigung mit dem Material des Albums „Impressions of New York“, das sie unter dem Eindruck von Coltranes Tod einspielten, haben sie Bassist John Patitucci und Schlagzeuger Brian Blade nominiert.

Tyner liest die Balladen, die Coltrane mit Johnny Hartman aufgenommen hat, mit HipHopper José James und Saxofonist Chris Potter neu. Saxofonist Vincent Herring ist Solist in der Anverwandlung von Nummern aus „The Blues And The Abstract Blues“ durch hr-Bigband und Ex-Dirigent Jörg Achim Keller. Tenorsaxofonist Jonas Kulhammar schlägt mit seinem Quartett auf Basis von „A Love Supreme“ den Bogen zum Free Jazz. „Ascension“, Coltranes Schritt in die Kollektivimprovisation, überträgt das Harriet Tubman Double Trio auf E-Gitarre und Turntables. Der nach Frankfurt zurückgekehrte US-Pianist Bob Degen tritt mit seinem Quartett auf. Das Quartett Das Kapital um Tenorsaxofonist Daniel Erdmann ironisiert Hanns Eislers raffinierte Propagandamusik.

Dauerkarten sind für das letzte Oktoberwochenende im hr-Sendesaal nicht mehr zu bekommen, wohl aber solche für einzelne Abende.

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