Volbeat in Frankfurter Festhalle

Friedhof der Kuschel-Metaller

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Alles paletti: Michael Schøn Poulsen und seine Combo reiten auf der Erfolgswelle.

Frankfurt - Und noch ein paar Gesetzlose aus der Abteilung Eisenwaren. Eingeritten aus der Western-Hauptstadt Kopenhagen, die seit kurzem als Außenposten der Outlaw-Metropole Tombstone gilt. Von Peter Müller

Zumindest seit die vier Hardrock-Daltons der Überfliegerband Volbeat dort ihr Unwesen treiben und massenhaft Fans rekrutieren. Wie das funktioniert, hat die „Danish Dynamite“-Combo lautstark in Wacken oder bei Rock am Ring bewiesen. Jetzt nimmt die Gang um Rädelsführer Michael Schøn Poulsen auch die ausverkaufte Festhalle unter den Hammer – mit einem wilden, von Feuerfontänen angeheizten Mischmasch aus Rock, Metal, Rockabilly und Country.

Die gute Nachricht: Den Fans – alten wie neuen, Stetson- oder Petticoat-bewehrt – gefällt das, was die „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“-Tour über zwei Stunden auf die Rampe bügelt. Die noch bessere Nachricht: Poulsen, Ex-Anthrax-Gitarrero Rob Caggiano, Bassist Anders Kjoelholm und Drummer Jon Larsen ist es trotz aller pyrotechnischer Anstrengungen nicht gelungen, die Festhalle abzufackeln. Obwohl bereits die US-Power-Metal-Helden von Iced Earth den Laden auf Saunatemperatur angeheizt hatten. Dann aber, kurz nach 21 Uhr, zunächst mal liebliche Banjo-Klänge eines in Ehren ergrauten Cowboys namens Rod Sinclair – der einzig ironische Farbtupfer eines gänzlich ironiefreien Vol(l)gas-Konzertes.

Morbides Friedhof-Ambiente

Danach fällt endlich der schwarze Vorhang und gibt zu „Doc Holliday“ den Blick frei auf ein ziemlich morbides Friedhof-Ambiente vor dem legendären Fort Griffin: Links und rechts , „R.I.P.“, die illuminierten Grabsteine des besungenen Wyatt-Earp-Kumpels, in der Kulisse eine arme Skelett-Seele am Galgen, drumherum allerlei Gezäun und Western-Pappmaché. „Hallelujah Goat“ kann man da nur mit den Volbeat-Helden raunen, um sich nach der ersten , Konzerthälfte mit ähnlich klingendem Material wie „Radio Girl“, „The Mirror And The Ripper“, „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ oder „Lola Montez“ zu fragen, was eigentlich den Aufstieg der stählernen Johnny-Cash-Fans ausgelöst hat.

Frontmann Poulsen, der sich auf der Bühne ganz cool die Haare zur Elvis-Tolle kämmt, gibt da mit seiner putzigen Verwunderung darüber „dass Ihr alle den Volbeat-Scheiß tatsächlich im Radio hören könnt“, womöglich unfreiwillig eine Antwort. Das Dänen-Quartett ist mit seinem unkonventionellen Hard’n’Heavy-Mix aus Metallica, hartem Rockabilly, ein bisschen Slayer und viel Stadionhymnen-Country tatsächlich in eine Mainstream-Nische gestürmt. Da ist zwischen dem kultverdächtigen Dusty-Springfield-Cover „I Only Want To Be With You“, schweren Brettern wie „Pool Of Booze, Booze, Booza“ und dem mit einem „Ring Of Fire“-Intro verzierten „Sad Man’s Tongue“ für jeden etwas dabei.

In vorderster Bühnenfront, wird fleißig ein „Moshpit“ initiiert, im ersten Rang der gesetzteren Metal-Fans zurückhaltend Kopfnick-Marathon geübt. Wer sich da wie dort eher verwundert raushält, wird umgehend als Spaßbremse geächtet. Nichtsdestotrotz muss man Volbeat bescheinigen, dass ihr Stil-Patchwork die Metal-Szene nicht revolutioniert. Auch weil – Feuerwerk hin, Flammenwerfer her – die wirklich zündenden Song-Ideen fehlen. Unterm Strich bleibt nicht mehr als der routinierte Auftritt einer angesagten Trend-Band, mit der man als glühender Fan auch ein wenig sich selbst feiert.

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