Vorgezogene Bescherung

+
Nicht nur Weihnachtslieder hatte Ian Anderson, Frontmann der legendären Rockband Jethro Tull, im Gepäck.

Nun, als Weihnachtsmann verkleidet, wie auf den Ankündigungsplakaten für das Konzert „Ian Anderson plays the Christmas Jethro Tull“ abgebildet, betrat der langjährige Frontmann und Mitgründer der legendären Band Jethro Tull am Sonntagabend zwar nicht die Bühne der Offenbacher Stadthalle. Von Karl-Heinz Otterbein

Dennoch gab es für die Konzertbesucher in der längst nicht ausverkauften Halle am Nikolaustag eine Bescherung der besonderen Art. Begleitet von dem deutschen Gitarren-Virtuosen Florian Opahle, dem Pianisten und Akkordeonisten John O’Hara, dem Bassisten David Goodier und dem Schlagzeuger Pete Riley präsentierte der 62-jährige Brite gut zwei Stunden lang die Songs seiner Weihnachtstournee und zeigte seinen treuen Fans, was diese sehen und hören wollten: den „Gott der Querflöte“ in voller Aktion.

Zwar sind die mehr als 40 Jahre seit Gründung von Jethro Tull an Ian Anderson nicht spurlos vorüber gegangen. Doch sowohl Gesten und Gesang in der für ihn charakteristischen Manier, als auch seine einzigartige Weise, Flöte zu spielen, hat sich Anderson immer noch bewahrt. Phasenweise spielte er die Querflöte sogar auf einem Bein stehend, wenn auch nicht ganz so ausdauernd wie noch vor einigen Jahren.

Das tat dem Enthusiasmus der Fans aber keinerlei Abbruch, zumal Anderson und seine musikalischen Begleiter auf höchsten Niveau spielten und dabei einige Jethro-Tull-Klassiker in neuem Gewand präsentierten. Ob „Skating Away“, „My God“, „Aqualung“ oder „Bourrée“ – der Funke sprang sofort über, das Publikum feierte seinen Meister. Nicht fehlen durfte natürlich der Jethro-Tull-Klassiker schlechthin – „Locomotive Breath“ –, den die Musiker als Zugabe und gleichzeitig Höhepunkt des Konzertes spielten.

Dabei ließ sich die Veranstaltung nicht auf ein Wiederhören mit Klassikern reduzieren. Getreu dem Konzert-Motto „Ian Anderson plays the Christmas Jethro Tull“ präsentierten die Musiker Songs vom „Christmas Album“ der Band und boten unter anderem mit „A Christmas Song“, „Another Christmas Song“ und „We Five Kings“ eine wohltuende Alternative zu den in diesen Tagen im Radio allgegenwärtigen und kaum noch zu ertragenden Schmachtfetzen. Wäre schön, auch eines der Stücke von Jethro Tull ab und zu im Radio hören zu können. Aber darauf wird man wohl vergeblich warten.

Immerhin: Wer das Konzert in der Stadthalle besucht hat, darf sich schon gut zwei Wochen vor Heiligabend beschert fühlen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare