Sommer mit „Jazz im Museum“ und „Weltmusik im Palmengarten“

Wahre Sprache, junge Wilde und alte Legenden

Fado-Sängerin Ana Moura

Frankfurt - Der Sommer ist auch nicht mehr, was er mal war. Im Falle Frankfurts ist das ein Kompliment. Als Dieter Buroch vor 34 Jahren begann, die Mainmetropole in der heißen Jahreszeit zu bespielen, stand er mit 100 Veranstaltungen fast allein auf weiter Flur. Von Markus Terharn

Wenn der scheidende Intendant des Künstlerhauses Mousonturm zum letzten Mal den „Summer in the City“ organisiert, kann er zwar nur zehn Konzerte anbieten. Die aber konkurrieren mit einer Fülle von Kulturereignissen: „Stoffel“, „Jazz im Palmengarten“ oder „Barock am Main“. Und sie warten, kuratiert von Markus Gardian und moderiert von Daniella Baumeister, mit großen Namen sowie spannenden Konzepten auf.

In vergangenen Jahren gaben oft die Bläser den Ton an – 2011 schlägt ein Tasteninstrument den Takt. Jedes Mal wird ein gestimmter Flügel auf die Freilichtbühne gehievt. Die steht beim „Jazz im Museum“ im Garten des Liebieghauses, bei der „Weltmusik im Palmengarten“ in der dortigen Konzertmuschel.

Start in der Grünanlage an der Skulpturengalerie ist am 24. Juli mit dem Trio [em]. Michael Wollny (Piano), Eva Kruse (Bass) und Eric Schaefer (Getrommel) leben den Grundgedanken, dass Jazz stets ein Risiko darstellt. Modernen US-Jazz in indischer Tradition pflegen Vijay Iyer, studierter Mathematiker, und Rudresh Mahanthappa, Saxofon, am 31. Juli. Das Yaron Herman Trio aus Israel baut auf drei Quotienten: IQ, EQ und OQ – Intelligenz, gepaart mit Emotion und Obsession, am 7. August dargeboten in eigens entwickelter Improvisationstechnik namens „Echtzeitkomposition“. Das Carsten Daerr Trio (14. August) wird vom Goethe-Institut als Botschafter der Bundesrepublik eingesetzt. Als „ältere Legende und junger Wilder“ beenden Lokalmatador Heinz Sauer (Sax) und wieder Wollny die Reihe. Beginn ist sonntags um 11 Uhr.

Den Auftakt in Frankfurts exotischem Park gestaltet am 26. Juli die portugiesische Fado-Sängerin Ana Moura, die schon mit Mick Jagger oder mit Prince Popmusik gemacht hat; Weltschmerz und Leidenschaft, Wehmut und Liebe bilden ihr Spektrum. Finnischer Exzentriker und nigerianischer Vierfach-Schlagzeuger, diese wilde Mischung versprechen Jimi Tenor & Tony Allen & Band am 2. August. Das Quintett Caci Vorba, zu deutsch „wahre Sprache“, ergründet auf multiinstrumentaler, polnisch-ukrainischer Basis am 9. August, was wirklich wichtig ist. Mit Jodeln, Vokalartistik, Stimmkunst und Obertongesang aus der Schweiz bringt das Christian Zehnder Quartett am 16. August die Berge zum Wackeln. Und der Franzose Féloche mischt Cajun-Klänge zu Pariser „Urban Bayou“: Mitsingen ist zum Finale am 23. August erwünscht! Beginn ist dienstags um 19.30 Uhr.

Auf 100 000 Euro beziffert Buroch die Gesamtkosten. 70 000 sollen die Eintrittsgelder wieder einspielen. Die Freunde und Förderer des Mousonturms schießen 12 000 Euro zu und locken Mitglieder mit freiem Eintritt zum „Jazz im Museum“. Im Sommer erwarten sie das 1000. Mitglied.

Karten kosten für den Jazz im Vorverkauf an den üblichen Stellen 10,90, an der Tageskasse 12 Euro einschließlich Eintritt in die Sammlungen. Für die Weltmusik sind 14,20 (16) Euro zu bezahlen, für das Kombiticket samt Besuch des Palmengartens 19 Euro.

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