Walzertanz trotz Pfützen

+
Macht seinem namen alle Ehre: das Lichterfest.

Offenbach - Weitsicht bewiesen die Organisatoren des Konzerts zum Offenbacher Lichterfest 2011. Das Motto „Fools and Heroes“ traf ins Schwarze. Von Eva Schumann

Als Helden bewährte sich die Neue Philharmonie Frankfurt mit Dirigent Jens Troester und den Vokalisten, die das Programm nur wenig gekürzt durchzogen. Geradezu närrischen Mut bewies das Publikum; es widerstand heftigen Güssen.

Bei den letzten Schlägen der Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ öffnete der Himmel seine Schleusen. Eigentlich waren Tschaikowskys Rokoko-Variationen dran, da erhob sich Tumult beim Einhüllen in Regencapes. So setzte sich Jacques Offenbach durch: Der Can-Can wurde mit Hallo begrüßt. Dann wagte sich Cellistin Zoé Cartier auf die Bühne. Sie konnte gerade das Thema der Rokoko-Variationen anstimmen, da ergriff sie die Flucht vor den Wassermassen. Offenbacher Affront gegen Tschaikowsky? Ralph Philipp Ziegler, der als Moderator heroisch das Auditorium aufmunterte, beugte diesem Verdacht vor: Wohne doch ein Vorstandsmitglied der Tschaikowsky-Gesellschaft in der Stadt.

Bilder vom Lichterfest

Lichterfest im Büsingpark

Besser hielt das Pop-Programm das Publikum bei Laune. Achim Dürr, Franco Leon und Katrin Glenz brachten unbeirrt ihre Songs zu Gehör, von farbigem Licht umflutet, unterstützt von der Chorgruppe „Scream Factory“. Von „Don’t Let The Sun Go Down On Me“ über „Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ bis zu „If A Song Could Get Me You“ stieg die Stimmung. Die Philharmoniker legten einen peppigen Monty-Python-Marsch hin. Der Dirigent, der ins Tanzen geriet, ließ seine Truppe sich warm hüpfen. Die rot gekleidete Katrin Glenz beschwor mit Achim Dürr ein „Paradise By The Dashboard Light“. Ihre leidenschaftliche Verführung löste Beifallsstürme aus.

Lesen Sie dazu auch:

Fest der Unerschütterlichen

Nach der Pause regierte das Motto „The show must go on“. Dennoch musste das Publikum auf Beethovens Trauermarsch verzichten. Es siegten die „Pirates of the Caribbean“. Bei der Premiere der Fantasie von Klaus Badelt kam das Cello doch zum Zug. Friedlich war die Hymne „Now We Are Free“ aus dem „Gladiator“. Bei „Living On A Prayer“ forderte Franco Leon zum Mitklatschen auf. Die Stimmung kochte, als bei „You Are The Voice“ Thomas Wand mit dem Dudelsack zum Einsatz kam. Die Begeisterung für „Viva la Vida“ war von Wagners Walkürenritt nicht zu übertreffen.

Die Neue Philharmonie bewies wieder ihre phänomenale Vielseitigkeit. Sie war bei klassischen Stücken ebenso mit Feuereifer bei der Sache wie bei Pop und Rock’n’Roll. Nach der Michael-Jackson-Zugabe „The Earth Song“ animierte sie schließlich mit dem Walzer „Wien bleibt Wien“ das Publikum zum Tanzen. Trotz Matsch und Pfützen konnten viele Unentwegte nicht widerstehen...

Kommentare