Wandel mit Beständigkeit

Gregor Samsa aus Brooklyn spielten im Offenbacher Hafen2: Absolute Ruhe im Publikum, gebanntes Zuhören. Nur ein Musiker sitzt auf der Bühne, mit dem Rücken zum Zuschauerraum. Er spielt ein elektronisches Stück, eine Klanglandschaft der sich stetig wandelnden Bilder.

Zunächst am Rande der Hörbarkeit, schaltet sich nach etlichen Minuten eine E-Gitarre ein; der geräuschhafte Charakter der Musik freilich ändert sich erst einmal nicht. Bis schließlich die Gitarre ursprünglicher klingt, mit viel Hall, wie eine zeitlupenhafte Version eines Duane Eddy.

Ein magischer Moment. Gregor Samsa, die sich nach der Figur aus Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ benannt haben, lassen sich in ihrer Musik viel Zeit. Die Band aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn, die im Offenbacher Hafen2 spielte, hat seit ihrer Gründung im Jahr 2000 eine bewegte Geschichte mit mehreren Trennungen, Reinkarnationen und stetigen personellen Wechseln hinter sich. Derzeit tritt sie als Septett in Erscheinung, mit bis zu drei Keyboards, Gitarren, Bass und Schlagzeug sowie Violine und Klarinette. Anders als das instrumentale Eingangsstück haben die anderen Nummern Song-Charakter, der sich freilich ins Weite öffnet. Zerdehnung und Flächigkeit sind die Charakteristika. Es geht um Strukturen und ihre ansatzweise Auflösung. Gregor Samsa bemühen häufig die bekannte Dynamik der Extreme laut/leise, minimal/opulent. Immerhin stehen sie dem derzeitigen Pop-Referentialismus fern. Wer weiß, zu welchen Verwandlungen sie noch fähig sind.(zik)

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