Wave-Rock von City of Glass hat Stadion-Qualität

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Wave-Rock von City of Glass hat Stadion-Qualität

Offenbach - Auch lange Zeit in der internationalen popkulturellen Debatte als „uncool“ gehandelte historische Größen kommen als musikalische Vorbilder zu Ehren. Von Stefan Michalzik

City of Glass sind bislang noch nicht prominent, sie genießen einstweilen des Status eines Geheimtipps, lassen aber mächtig Ambition erkennen. Den Songs des aus Vancouver stammenden Duos, das im Offenbacher Hafen 2 gastierte, wohnt das Potenzial inne, ein größeres Publikum zu faszinieren.

Glasklare Klangästhetik

Balladen führen die drei lässig-adretten, in einem einheitlichen Schwarz gekleideten Musiker zwar auch in ihrem Repertoire, ihre Musik ist aber in der Hauptsache eine des mittleren Tempos. Den Gedanken an eine Nähe zu U2 würden der Sänger und Gitarrist Michael Champion und sein gleichfalls Gitarre spielender High-School-Kumpel David Phu, die City of Glass vor gut drei Jahren gegründet haben, womöglich weit von sich weisen. Wie dem auch sei: Das musikalische Koordinatensystem der gegenwärtig gemeinsam mit dem Schlagzeuger Alex Cumming in Trio-Stärke in Erscheinung tretenden Band bezieht sich auf den New Wave der frühen achtziger Jahre. Die auf einer Verbindung von Gitarren und Synthiesounds, in diesem Falle sind sie auf Laptop vorproduziert, gründende Musik erinnert an New Order. Die klirrende, glasklar produzierte Klangästhetik der Gitarren weckt andererseits Assoziationen an die Sound-Versessenheit von The Edge und U2.

Geschliffen und gestriegelt

Alles wirkt geschliffen und rund, nicht aber unbotmäßig glattgestriegelt. Die Songs wollen den Hörer unmittelbar ansprechen. Ungeachtet der vorwiegend Liebes- und Weltschmerz reflektierenden Texte ist der Gestus deutlich nach außen gerichtet. Der Bandname geht auf den Buchtitel von Douglas Coupland zurück und ist eine Verbeugung vor Vancouver. Der Musik ist eine gewisse Neigung zur Breitwand eigen, eine latente Ambition fürs Stadion. Sie bleibt aber wohltuend unaufdringlich. Nichts liegt ferner als das Pathos von U2. Die Zeit wird es zeigen, ob City of Glass eine Blüte der Klubs bleiben, unverdient wäre ein größerer Erfolg nicht.

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