Burgfestspiele Dreieichenhain

Weckers „Wut und Zärtlichkeit“

Dreieich - Er gefällt sich in der Rolle des unbequemen Mahners, des geistreichen Spötters und Kämpfers für die Freiheit des Geistes, und dafür wird Konstantin Wecker von seinen Fans geliebt. Von Maren Cornils

Kein Wunder also, dass der Auftritt des Münchner Liedermachers in der Hayner Burg in Dreieichenhain am Samstag Abend bereits lange im Voraus ausverkauft ist. „Wut und Zärtlichkeit“ heißt Weckers aktuelles Programm, und auch darin ist sich der Sänger mit der ausdrucksstarken Stimme wieder einmal treu geblieben. „Zwischen Zärtlichkeit und Wut, tut das Leben richtig gut“, sinniert der mittlerweile 66-Jährige da in gewohnt kraftvoller Wecker-Manier, um sich in seinem Eröffnungssong gleich dazu zu bekennen, auch im Alter unbeugsam und unbequem bleiben zu wollen.

Ganz andere, ungewohnt resignierte Töne stimmt Wecker – am Piano wie immer begleitet von seinem langjährigen musikalischen Weggefährten Jo Barnikel sowie von Nils Tuxen (Gitarre) und Jens Fischer-Rodrian (Gitarre, Drums, Akkordeon) – im nächsten Lied an: „Ich hab' keine Lust mehr, der Nörgler zu sein“, beklagt sich Wecker in „Absurdistan“, um sich dann über Sarrazin, gefährliches Elite-Denken, Hartz IV und die deutsche Wirtschaftswachstums-Hörigkeit zu mokieren.

Doch Wecker hat auch allerlei alte Juwelen aus den 70er, 80er und 90er Jahren mit im Gepäck. Das bluesige „Fliegen mit Dir“, in dem er mit gewohntem Pathos von Leidenschaft singt, gehört ebenso dazu wie das aus der Feder Berthold Brechts stammende „Oh die unerhörten Möglichkeiten“. Mag Wecker auch immer wieder die Kraft der Gefühle beschwören, er wäre nicht Wecker, wäre nicht auch in jedem zweiten Song eine klare politische Botschaft heraus zu hören. Ganz gleich, ob er in „Sage Nein!“ ein musikalisches Signal gegen Rechts setzt, im wunderbar ironischen „Präposthum“ über geldgeile Erben und die Narrenfreiheit des Alters singt oder zu Marschmusik-Klängen „Frieden im Land“ intoniert: Wecker weiß, was er seinem Publikum schuldig ist, und kann es auch in den Anmoderationen nicht lassen, darauf hinzuweisen, dass sein Herz links schlägt.

Auftakt der Burgfestspiele 2013

Auftakt der Burgfestspiele 2013

Wenn „Wut und Zärtlichkeit“ eines zeigt, dann, dass man Weckers Ansichten und Utopien nicht teilen muss, um die Lieder dieses begnadeten Fabulierers zu mögen.

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