Berliner Philharmoniker in Wiesbaden

Wehe, wenn sie losgelassen

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Berliner Philharmoniker

Wiesbaden - Die Blechbläser der Berliner Philharmoniker machen profunde Kunst, manchmal gar aus zweiter Hand. Denn neben Originalkompositionen für Trompeten, Horn, Posaunen und Tuba gibt es Perlen aus Barock, Romantik und Moderne. Von Klaus Ackermann

Kein Wunder, dass die Zeit im Wiesbadener Kurhaus im Nu verging.

Schließlich hatte der englische König Heinrich VIII. das Motto vorgegeben: „Passtime with good company“ (Zeitvertreib in guter Gesellschaft). Den hymnischen Charakter erkunden sie mehrchörig, mit perfekt gespielten Posaunen in Vorlage. Weiter geht’s an den dänischen Hof Christian IV, wo John Dowlands „The King of Denmark’s Galliard“ ertönte. Getragenes mit Läufchen, wiederum stilistisch von Mogens Andresen auf die Blech-Besetzung projiziert bei den vier französischen Tänzen des frühbarocken Michael Prätorius. Im dunklen Klang-Samt fallen raffinierte Verzierungen auf.

Bei Johann Sebastian Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 3, ursprünglich für Streichorchester geschrieben, dürfen die Trompeten erste Geige spielen. Gezwitschert wird auch bei Mozarts „Arie der Königin der Nacht“ aus der „Zauberflöte“, die Bachs wohlig weich gespültem Hochzeitschoral „Bist du bei mir“ folgt, wenn auch die Koloraturen bei den Blechbläsern naturgemäß etwas knalliger wirken. Nach Edward Elgars „Chanson de Matin“, eine stimmungsvolle Posaunen-Ballade, „London Miniatures“, von Gordon Langford (geb. 1930) für die Berliner Blechbläser geschrieben. Bei den Impressionen aus der britischen Hauptstadt fallen das pastose „Green Park“, wie von Turmbläsern gespielt, und die herrlich angeschrägte „Horse Guards Parade“ auf.

Ein Reißer ist auch Glinkas Ouvertüre zu „Ruslan und Ludmilla“, vor allem in fetziger Blech-Version. Originalstücke sind zudem Jan Koetsiers (1911-2006) Brass Symphony, der Gershwins Akkord-Pfefferminz apostrophiert, während das finale Rondo südamerikanische Akzente setzt, und die „Drei schwedischen Melodien“ von Mogens Andresen. Ehe Schostakowitschs „Suite for Variety Orchestra“ auf den Rummelplatz führt und die Strahl-Trompeter final noch einmal heftig gefordert sind. Da ist die Behauptung keineswegs kühn, dass die Blechbläser im gewöhnlichen Philharmoniker-Leben unterfordert sind.

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