Die kubanischen Jazzlegenden Omara Portuondo und Chucho Valdés auf Schloss Johannisberg

Wehmütiger Ritt gen Sonnenuntergang

Geisenheim - Omara Portuondo, die 81-jährige Grande Dame des Cuban Jazz, und Chucho Valdés, der 70-jährige Klaviervirtuose und Allround-Jazzer, sind zum dritten Mal Gäste des Rheingau Musik Festivals. Von Michael Eschenauer

Auf Schloss Johannisberg definieren fünf Songs der aktuellen Produktion „Omara & Chucho“ die Linie des Auftritts am Sonntagabend: das nachdenkliche, fast traurige „Llanto De Luna“ mit wunderschönen Piano-Partien, das ruhige „Esta Tarde Vi Llover“, „Si Te Contara“, eine ebenfalls ruhige Nummer, sowie das temperamentvolle „Babalu Aye“. „Huesito“ bildet den fröhlichen Ausklang. Zu den anspruchsvollen Duo-Arrangements kommen lebendige, jazzige Stücke wie „Neurosis“ oder „Decídete“, bei denen Lázaro Rivero Alarcón (Bass), Julio Barreto (Schlagzeug) und Andrés Coayo Batista (Perkussion) solistisch überzeugen. In dem extrem reduziert, a cappella gesungenen „Dos Gardenas“ huldigt Omara Portuondo dem 2005 verstorbenen Ibrahim Ferrer, zeigt ihre Stimme ohne den Schutz satter Hintergrund-Instrumentierung.

Viele ruhige, bluesige Nummern haben Portuondo, einzige Frau auf dem von Ry Cooder produzierten Welterfolg „Buena Vista Social Club“, und ihr Begleiter mitgebracht. Im ausverkauften Cuvéehof geht es eineinhalb Stunden entspannt um Sehnsüchte, Hoffnungen, verlorene Liebe, falsche Entscheidungen. Die Sängerin im leuchtenden Blumenkleid, der Pianist mit Baskenmütze und grünem Hemd verströmen ungekünstelt Herzenswärme. Sie wirken wie ein altes Liebespaar – zum Beispiel, wenn sie ihm zuraunt, er möge doch mal aufstehen und sich nach dem Beifall verbeugen. Oder wenn sich die kleine Frau – nachdem ihr jemand vom Podium geholfen hat – unters Publikum mischt.

Als Kontrast zu den gecasteten Eintagsfliegen der Unterhaltungsbranche gilt Portuondo. Das ist richtig. Richtig aber ist auch, dass ihr Auftritt an einen Ritt in den Sonnenuntergang erinnerte. Da wird ein paarmal der Einsatz verpasst, da muss der Text abgelesen werden, was statisch wirkt. Es geht nicht darum, einer ehrwürdigen Sängerin am Zeug zu flicken. Doch ein wenig frisches Blut hätte dem bisweilen etwas zähen Abend gut getan, dem Thema kubanische Musik mehr Jugendlichkeit, Perspektive und Hoffnung verliehen. Bei Portuondo und Valdés dominierte wehmütige Erinnerung. Das rührt an. Und auf Rührung folgt nicht selten Mitleid.

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