Knusperhäuschen und Kantaten

Offenbach - Ein gehaltvolles Geschenkpaket hatte Ralph Philipp Ziegler da geschnürt: Die von ihm künstlerisch geleitete Neue Philharmonie Frankfurt bescherte den Offenbachern ein Festkonzert im Capitol. Von Markus Terharn

Einen weltlichen und einen geistlichen Teil vereinte die letzte Classic Lounge des Jahres. Ersterer hätte getrost länger ausfallen dürfen. Aus der Adventszeit ist Engelbert Humperdincks erfolgreichste Gelegenheitsarbeit, die Oper „Hänsel und Gretel“, nicht mehr wegzudenken. Unter der straffen Stabführung von Johannes Klumpp, der sich als Spezialist für große Gesten und gut gebaute Steigerungen profilierte, schwelgte die Offenbacher Hauskapelle in volkstümlichen Melodien, dass es eine Lust war.

Als Glücksgriff erwies sich die eingesprungene Anna Nesyba. Ihr beweglicher, in der Höhe glockenheller Sopran gab der Gretel-Partie vokalen Glanz. Im Zusammenwirken mit Mezzosopranistin Anna Haase in der Hänsel-Rolle punktete sie auch mimisch. Sängerisch blieb das Abendsegen-Duett im Ohr. Choreografisch bot das zum Kinderlied gewordene „Brüderlein, komm, tanz mit mir“ auch was fürs Auge. Gern machte das Publikum „mit den Händchen klapp, klapp, klapp“.

Wenn die 100-köpfigen Chöre am Fuldaer Dom 100 Kilometer Anreise auf sich nehmen, brauchen sie Zeit, ihre hohe Stimmkultur vorzuführen. Die erhielten sie ausgiebig. Mittelalterlichen Mönchsgesang in Vollendung hatte Domkapellmeister Franz-Peter Huber, der seinen Bariton solistisch einbrachte, mit den Männern einstudiert; „Populus Sion“ und „Puer natus est“ entführten in die Klangwelt der Gregorianik. Frauen und Kinder fielen tonschön ein in „Machet die Tore weit“ oder „Nun komm, der Heiden Heiland“.

Zum Musikseminar wurde das Programm dank Bearbeitungen bekannter Weisen. Regers Orgelfantasie über Bachs „Wie schön leucht’ uns der Morgenstern“ in Buschs Instrumentierung forderte Höchstleistungen von allen Orchestergruppen. „Es ist ein Ros’ entsprungen“ lud zum Vergleich zwischen Barock-Original und Brahms-Bearbeitung in Ruegenberg-Fassung. Mendelssohns Kantate über Luthers „Vom Himmel hoch“ verband Chor, Solisten und Orchester in Harmonie.

Der finale Plan, aus allen Mitwirkenden und Zuhörern einen fast tausendstimmigen Chor zu bilden, hätte indes ein geläufigeres Stück als „Es kommt ein Schiff, geladen“ vorausgesetzt. Dennoch war die Stimmung feierlich: Nun kann’s Weihnachten werden!

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