Mayer Hawthorne in Frankfurter Brotfabrik

Ein Weißer als neuer Soul-Held

Frankfurt - Die Anekdote ist zwar nicht verbürgt, aber auf jeden Fall hübsch: Als der Chef des auf HipHop, Funk und Soul spezialisierten Plattenlabels Stones Throw Records erstmals die Songs von Mayer Hawthorne hörte, dachte er, auf unbekannte Aufnahmen eines schwarzen Künstlers aus den frühen siebziger Jahren gestoßen zu sein. Von Christian Riethmüller

Doch was da klingt wie eine unerhörte Mischung aus Curtis Mayfield, Smokey Robinson, Al Green und Barry White, ist neuer Stoff, dargeboten von einem schmalen weißen Mann mit einer großen Brille, der noch nicht einmal ein besonderes Gesangstraining absolviert hat. Dafür singt Mayer Hawthorne, wie sich der DJ, Arrangeur und Komponist Andrew Mayer Cohen für sein Soul-Projekt nennt, geradezu wie ein junger Gott. Und das übrigens ohne große Studiotricks, wie er bei einem sehr gut besuchten Konzert in der Frankfurter Brotfabrik unter Beweis stellte. .

Hatte Hawthorne sein glänzendes Debüt „A Strange Arrangement“ quasi im Alleingang aufgenommen, präsentierte er sich live mit einer straff aufspielenden, vierköpfigen Band namens „The County“, die half, die im Original mit einer gewissen Schwüle und Süße kokettierenden Songs zu erden. Kurzum, klingt „A Strange Arrangement“ in der heimischen Anlage sehr am sogenannten Philadelphia-Sound orientiert, sind die Bühnenversionen von Schleichern wie „Just Ain‘t Gonna Work Out“ und Hüftwacklern wie „One Track Mind“ eher an den griffigen Motown-Arrangements der sechziger Jahre geschult.

Mayer Hawthorne sang zudem auf der Bühne weniger in der eigentlich für viele seiner Songs charakteristischen Falsett-Stimme, sondern in mittlerer Lage, was sich aber gleichfalls sehr gut hören ließ. Die Qualität von mitreißenden Stücken wie „The Ills“, für das Lenny Kravitz wahrscheinlich töten würde, steht ohnehin außer Frage.

Leider war es mit der wunderbaren Soul-Revue, zu deren Vollendung ein kleiner Bläsersatz das Sahnehäubchen hätte beitragen können, nach 70 Minuten inklusive zweier Zugaben schon wieder vorbei. Bleibt nur die Vorfreude auf das neue Album, das im Herbst erscheinen wird, sowie die Gewissheit, von diesem weißen Mann aus Michigan, der klingt wie ein schwarzer Soul-Held, noch einiges zu hören.

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