Auf den weiten Flügeln des Gesangs

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Ihre Domäne ist die Oper: Michaela Schuster

Michaela Schusters Domäne ist die Opernbühne. Das versuchte die Mezzopranistin bei ihrem Frankfurter Liederabend erst gar nicht zu verleugnen. Über zwei barocke Arien näherte sie sich Wolfgang Amadeus Mozart – dramatisch akzentuierter Beginn eines stilistisch weit gefächerten Programms, in dem Populäres wie Mendelssohns „Auf Flügeln des Gesanges“ die Ausnahme bildete, Raritäten hingegen die Regel waren. Von Axel Zibulski

So gestalteten Schuster und ihr Klavierbegleiter Markus Schlemmer zwar Johannes Brahms, hatten von ihm jedoch eine Auswahl der höchst selten gegebenen „Zigeunerlieder“ op. 103 ans Ende ihrer ersten Programmhälfte gestellt. Ziemlich urtümlich melodisch – so kennt man Brahms eher nicht: Michaela Schuster sang von „Braunen Burschen“ oder dem „schönen Städtchen Ketschkemet“ mit augenzwinkernder Freude an der Folkloristik und voll dunkel glühender Lebendigkeit ihres voluminösen, raumgreifenden Mezzosoprans. Die satt tönenden Melodiebögen passten bei Brahms besser als in Schusters Deutung von Mozart und Mendelssohn, deren Lieder eine Spur zu outriert, wenngleich hoch textverständlich klangen.

Im Forte denken, auch wenn man Piano singt. So schien Michaela Schuster Henri Duparcs impressionistisch verhangene „Chanson triste“ oder die „Einladung zur Reise“ des französischen Debussy-Zeitgenossen anzugehen.

Pianist Markus Schlemmer dagegen bevorzugte den ganzen Abend über eine manchmal etwas zu delikate Zurückhaltung, auch in einer Auswahl von Richard Strauss. Spanisches von Fernando Obradors stand am Ende des Abends, entfernt ans melismatische Singen der Prinzessin Eboli aus Giuseppe Verdis „Don Carlos“ erinnernd. Eine Partie, in der Michaela Schuster in Frankfurt auch schon geglänzt hat. Auf der Opernbühne, ihrer Domäne.

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