Neue Saison der hr-Bigband verspricht ungewöhnliche Begegnungen.

Weiter Blick über Tellerrand

Gute Nachrichten vom Frankfurter Dornbusch: Der Hessische Rundfunk will am Etat für die über Hessens Grenzen hinaus renommierte hr-Bigband festhalten.

Sie ist ein Schmuckstück und leider auch schon eine Rarität in öffentlich-rechtlichen Landen: Die hr-Bigband hat den klassischen Jazz und Swing im Visier – und blickt doch immer wieder weit über den stilistischen Tellerrand. Mit ungewöhnlichen Begegnungen und Projekten macht das unter der Leitung des schwedischen Dirigenten und Komponisten Örjan Fahlström stehende Jazzorchester auf sich aufmerksam.

Dabei gibt es spannende Querverbindungen zur orientalischen, lateinamerikanischen und europäischen Musik, jeweils repräsentiert von Solisten und Arrangeuren wie dem New Yorker Jim McNeely, „Artist in Residence“ beim hessischen Sender. Doch der urige Bigband-Jazz kommt nicht zu kurz.

„Auch der Hessische Rundfunk muss sparen“, sagt Hörfunkdirektor Dr. Heinz Sommer. Freilich nicht bei seinen internationalen Flaggschiffen hr-Sinfonieorchester und hr-Bigband. Letztere gehöre zum unverwechselbaren Profil der Hörfunk-Sender, weil dort allenthalben präsent und konzertant auch über Hessen hinaus gefragt. Wahrlich eine gute Nachricht für das All-Star-Ensemble, für Orchestermanager Olaf Stötzler und den vielseitigen Örjan Fahlström, in der Klassik wie im Jazz daheim. Der wartet mit „Lesser than Macbeth and greater“ auf, einem Konzert für Mezzosopran (Annika Skoglund) und Bigband. Shakespeares fünffüßiger Jambus und das Altenglisch hätten ihn zu jazzigen Rhythmen verführt, so der Chefdirigent, auch auf Neue Musik erpicht.

Bei der 2. „Klangbiennale“ will die Bigband jazzig auszulotende Werke der Neutöner Hans-Joachim Hespos, Bernhard Lang und Bruno Maderna spielen. Dem 1973 in Darmstadt verstorbenen Italiener, eine Zentralgestalt der Neuen Musik der Nachkriegszeit, ist diese hr-„Biennale“ gewidmet.

Natürlich spielt das hr-Ensemble auch beim 40. Deutschen Jazzfestival auf. Diesmal mit dem Trio des Pianisten Joachim Kühn und in einem weiteren originellen Projekt: „Spirits Dancing“ erinnert ans 40-Jahre-Jubiläum des legendären Woodstock-Festivals in den USA mit der Musik eines Protagonisten, Carlos Santana, für Bigband und den Saxofonisten David Sanborn umformuliert.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem US-Pianisten Uri Caine hat Fahlström zu einem Klavierkonzert inspiriert, auf das man gespannt sein darf. Auch auf seine Produktion „The music of George Russell“, an den großen Jazzer und Jazztheoretiker der Charlie-Parker-Ära erinnernd.

Frankfurter Jazzgeschichte nimmt am 9. März 2010, zum 80. Geburtstag des wohl bekanntesten deutschen Konzertveranstalters Fritz Rau, eine besondere Wendung: Zum Ständchen vereint sich die hr-Bigband mit den Rockern Ian Anderson, Peter Maffay und Udo Lindenberg. Dabei wird’s richtig laut! Hauskünstler McNeely holt neben dem libanesischen Oud-Spieler Rabih Abou-Khalil auch den US-Gitarristen John Abercrombie nach Frankfurt.

Zudem lobt der hr unter dem Vorsitz von Fahlström einen Kompositionswettbewerb aus. Auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liegt den Jazzern am Herzen. Erstmals will die hr-Bigband sogar ein Konzert im Jugendgefängnis Rockenberg geben, unter dem Titel „Jailhouse Jazz“. Anschließend wird sicher nachgezählt ...

KLAUS ACKERMANN

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