Mendelssohns Zweite

Rheingau Musik Festival: Wenn die Fanfare ruft

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Solisten und Chorgemeinschaft sowie das von Andrew Parrott geleitete Orchester der KlangVerwaltung.

Eltville - Noch einmal, in Veranstaltung Nummer 163, die Fanfare: Allsommerlich ruft sie Besucher des Rheingau Musik Festivals vor dem Konzert und nach der Pause in die Basilika von Kloster Eberbach. Von Axel Zibulski

Jetzt, beim Abschlusskonzert der 26. Ausgabe, erklang sie dort einmal in dem Kontext, dem sie sonst entnommen ist, als Eingangsmotto der Kantate „Alles was Odem hat, lobe den Herrn“. Sie ist Schluss- und eigentlicher Hauptteil der 1840 in Leipzig uraufgeführten zweiten Sinfonie Felix Mendelssohns.

Wer das Mendelssohn-Motiv in den vergangenen neun Festival-Wochen durch die Klosteranlage schallen hörte, konnte sich danach bestenfalls über ein exzeptionelles Musikerlebnis freuen. Zum Beispiel beim lange vorgeplanten Gastkonzert des Bachchors Mainz im Juli mit Benjamin Brittens selten gespieltem und tief beeindruckendem „War Requiem“. Ein Wagnis, das mit ausverkauftem Haus belohnt wurde, und das als Wagnis doch wachsenden Seltenheitswert hatte.

Schließlich vertiefte sich gerade in den Orchesterkonzerten, meist im Wiesbadener Kurhaus, das Sicherheitsdenken der Programm-Gestalter: Zweimal Tschaikowskys fünfte Sinfonie binnen einer Woche? Kann passieren. Und mit den „Familientreffen“ genannten Podiumsbegegnungen untereinander verwandter Musiker griff ein inhaltlich sinnfreier Programmschwerpunkt auf die Kammermusik in Schloss Johannisberg über. Etwas mehr kluge Dramaturgie wäre erfreulich.

Mit der Chorgemeinschaft Neubeuern und dem Münchner Orchester KlangVerwaltung waren zum Abschluss regelmäßige Festival-Gäste zu erleben. Anstelle des erkrankten Enoch zu Guttenberg dirigierte Andrew Parrott, vor 40 Jahren selbst Gründer des britischen Alte-Musik-Ensembles „Taverner Choir, Consort and Players“. Spannend: Als Vertreter der historischen Aufführungspraxis verfolgte Parrott bereits in der vorangestellten Aufführung von Mendelssohns jugendlichem „Magnificat“ D-Dur einen ästhetischen Ansatz, der sich grundlegend vom künstlerischen Subjektivismus Enoch zu Guttenbergs unterscheidet.

Konzentration und Innerlichkeit statt Guttenbergs Dauer-Expressivität: Derart auf musikalische Essenz geführt, zeigte die Chorgemeinschaft Neubeuern einzelne Genauigkeits-Lücken, ließ sich insgesamt aber beglückend überzeugt auf Parrotts Dirigat ein. Das gilt nicht weniger für die Begleitung durch das Orchester KlangVerwaltung und dessen Gestaltung der drei instrumentalen Eröffnungssätze von Mendelssohns „Lobgesang“-Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 52. Die Auflichtungs-Dramaturgie der Kantate vermittelte der Chor etwa in vorzüglich ausgewogenen A-cappella-Abschnitten.

Eine besondere Bereicherung brachte der hoch empfindsame Solo-Tenor von Jörg Dürmüller, versiert ergänzten die Sopranistinnen Sibylla Rubens und Katharina Persicke die vom Publikum begeistert gefeierte Aufführung. Zuvor, in Mendelssohns „Magnificat“, hatten Olivia Vermeulen die Alt- und der erfahrene Klaus Mertens die Bass-Partien gesungen.

Ebenfalls mit Mendelssohn startet übrigens das Rheingau Musik Festival 2014: Am 28. Juni soll dessen „Sommernachtstraum“-Musik in Eberbach die 27. Festival-Auflage eröffnen.

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