Schwung früher Jahre

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Mit Pfefferminz ist Marius Müller-Westernhagen (rechts) noch immer der Prinz.

Frankfurt - Es gab Zeiten, da füllte er mühelos die größten Stadien Deutschlands. Doch von diesem Tour-Gigantismus hat sich Marius Müller-Westernhagen bereits vor einigen Jahren zurückgezogen. Von Dirk Iding

Am Mittwochabend bewies der 61-Jährige allerdings, dass er auch im „kleinen“ Rahmen der Frankfurter Festhalle noch immer zu den ganz großen Nummern im deutschen Musikgeschäft zählt. Mit alten und neuen Songs seines aktuellen Albums „Williamsburg“ begeisterte der Star seine Fans.

Fast zweieinhalb Stunden lang beweist Westernhagen, dass er nichts, aber auch gar nichts vom Schwung früherer Jahre verloren hat – im Gegenteil. Seine Bühnenpräsenz ist noch immer einzigartig, sein druckvoll-kehliger Gesang einmalig. Von „Jesus“ bis „Johnny Walker“ spannt sich der 26 Stücke umfassende Songreigen, während dessen nicht wenige Fans – das Publikum dürfte im Schnitt weit jenseits der 30 gewesen sein – wohl in Jugenderinnerungen schwelgen.

„Es geht mir gut“

Bei Klassikern wie „Willenlos“, „Fertig“, „Mit Pfefferminz“ und dem unvermeidlichen „Sexy“ explodiert die Stimmung im weiten Rund, das allerdings, vermutlich wegen der gepfefferten Eintrittspreise, nicht zur Gänze gefüllt ist. Der Auftakt kommt fast spießig daher: Tanzende Spotlights auf gerafften Vorhang, dazu Showmusik. Doch dann geht’s ab. Westernhagen, drahtig wie eh und je, im schwarzen Anzug mit schwarz-weiß gepunktetem Hemd, erobert mit seinem für ihn typischen leicht staksigen Gang die riesige Bühne.

Seine zum Markenzeichen gewordene kreisrunde, goldgeränderte Sonnenbrille wird er das ganze Konzert nicht abnehmen. „Es geht mir gut“ lässt der Star sein Publikum gleich zu Beginn musikalisch wissen, und alle singen mit. Aber auch die neuen Songs seines aktuellen Gold-Albums „Williamsburg“ wie „Typisch du“, „Schinderhannes“ oder „Zu lang allein“ wissen zu gefallen.

Begleitet von hervorragenden Musikern und umrahmt von einer perfekten Light- und Videoshow bietet Westernhagen in der Frankfurter Festhalle beste Unterhaltung. Der 61-Jährige nimmt sein Publikum mit auf eine Gefühlsreise von melancholisch („Durch deine Liebe“) bis ausgeflippt („Mit 18“). Und wenn er zum Abschluss seine Hymne „Freiheit“ anstimmt und Tausende einstimmen, ist das Gänsehaut pur.

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