Wiedersehen macht Schule

Gitarrist Black Francis ist bei den Pixies tonangebend.

Punk-Ikone Patti Smith gab im vergangenen Sommer ein Deutschland-exklusives Gastspiel in der Frankfurter Jahrhunderthalle und wurde umjubelt wie zu Glanzzeiten. Ein Beispiel, das Schule machte. Von Ferdinand Rathke

Folgten doch wenige Monate später Laurie Anderson und Lou Reed mit einer nicht minder eigenwilligen Präsentation. Dritte im Bunde ist die amerikanische Formation Pixies. Als maßgeblicher Impulsgeber der Independent-Kultur galt die 1986 in Boston gegründete Band, die Frontmann Black Francis 1993 während einer Radioshow auflöste, ohne seinen Kollegen das vorher mitzuteilen. Nicht minder überraschend gestaltete sich 2004 die Wiedervereinigung.

Seitdem ist allerdings nicht viel passiert: Bis auf den Song „Bam Thwok“ für den Soundtrack des Kinofilms „Shrek 2“ blieb das Quartett weitere musikalische Lebenszeichen schuldig. Dementsprechend ambivalent gestaltet sich der Publikumszuspruch für jene kultisch verehrte Gruppe, die der 1994 verstorbene Kurt Cobain als den größten Einfluss auf seine Entwicklung als Künstler bezeichnete. In der Jahrhunderthalle tummeln sich weit weniger Interessenten als angenommen. Sehr speziell auch das Programm: Offerieren die Pixies doch nicht einen Querschnitt durchs Repertoire, sondern konzentrieren sich ausschließlich auf jenes Werk, das der Band 1989 den internationalen Durchbruch bescherte, „Doolittle“.

In akribischer Chronologie servieren die Pixies Song für Song ihres zweiten Studioalbums. Für einen ersten Schockmoment auf überdimensionaler Leinwand sorgt noch vor dem Auftakt der kompakte Zusammenschnitt des Kinoklassikers „Un chien andalou“ von Spaniens Surrealist Luis Buñuel aus dem Jahre 1929. Referiert doch der Song „Debaser“ das cineastische Meisterwerk.

Die Pixies geben sich jede erdenkliche Mühe, ihrem Image als schräge Indie-Combo gerecht zu werden. Statt Harmonie setzen Bassistin Kim Deal, Sologitarrist Joey Santiago, Schlagzeuger David Lovering sowie Sänger und Rhythmusgitarrist Black Francis auf satte Dissonanz: Abrupte Tempiwechsel und spontane Oktavensprünge lassen Hymnen wie „Monkey Gone To Heaven“, „Here Comes Your Man“ und „Wave Of Mutilation“ aufregend zeitlos klingen. Um nicht schon nach einer knappen Stunde die Bühne räumen zu müssen, hängt das Kleeblatt rare B-Seiten-Titel aus gleicher Ära an.

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