Wirksam gegen Berührungsängste

Geisenheim - Vielleicht musste das sein: Auf 40 spätromantisch üppige Minuten Max Reger ließ das Fauré-Quartett drei Minuten Leslie Feist folgen, „Gatekeeper“, von dem Klavierquartett auch auf seiner CD „Popsongs“ festgehalten. Von Axel Zibulski

Vielleicht nehmen die klassischen Musiker damit tatsächlich manche Berührungsangst vor der vermeintlich elitären Kammermusik. Und vielleicht konnten sie sich nicht zuletzt deshalb über einen ausverkauften Fürst-von-Metternich-Saal in Schloss Johannisberg freuen.

Beim Rheingau Musik Festival spielte das Ensemble, das sich 1995 an der Karlsruher Musikhochschule gründete, Werke von Mahler, Beethoven und eben auch Max Reger – weniger Gängiges aus dem eher schmalen Repertoire für Violine, Viola, Violoncello und Klavier. Mit Gustav Mahlers in Jugendjahren komponiertem Quartettsatz a-Moll erinnerte das Ensemble nicht nur an den 100. Todestag des Komponisten in diesem Jahr, sondern erreichte früh auch die überzeugendste Interpretation seines Konzerts, im Langsamen expressiv, blühend, unnachgiebig zwingend in den Passagen sich aufschraubender Harmonik.

War die Dominanz von Geigerin Erika Geldsetzer in Mahlers Quartettsatz noch angemessen, so verschoben sich dadurch die Gewichte in Ludwig van Beethovens Klavierquartett Es-Dur op. 16a eher unglücklich. Denn eigentlich ist das Werk, Beethovens eigene Bearbeitung eines Quintetts für Klavier und Bläser, ein verkapptes Klavierkonzert im kammermusikalischen Gewand und als solches geprägt von melodisch eingängigen, auch dankbar-virtuosen Momenten für Dirk Mommertz. Der sonst angenehm diskrete, nie zu dominante Pianist des Quartetts, nahm sich hier allerdings zu stark, zu gedämpft zurück, um dem Charakter des Werks letztlich gerecht werden zu können.

Den beiden jeweils frühen Werken von Mahler und Beethoven stellte das Fauré-Quartett im zweiten Programmteil ein spätes gegenüber, Max Regers 1914 und damit zwei Jahre vor seinem Tod entstandenes Klavierquartett Nr. 2 a-Moll op. 133. In den formal sperrigen Ecksätzen hätte eine Stärkung der Mittelstimmen, gerade durch den zu diskret sich einbeziehenden Bratscher Sascha Frömbling, gewiss strukturverdeutlichend gewirkt. Im wie aus der Ferne walzernden, von den Streichern gedämpft zu spielenden zweiten, auch im melancholisch-langsamen dritten Satz setzte sich das Fauré-Quartett insgesamt überzeugender für diese Kammermusik-Rarität ein.

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