Tour durch Deutschland

Wollnys kleine Nachtmusik

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Der Frankfurter Jazzpianist Michael Wollny tritt als frischgebackener Vater bei den „JAZZnights“ in der Alten Oper auf. Neues Album, neue Projekte: Der Wahl-Frankfurter Michael Wollny tritt, seit er Vater geworden ist, etwas kürzer. Rar macht sich der begehrte Jazzpianist deswegen noch lange nicht.

Frankfurt - Ende Januar kam mit „Weltentraum“ ein neues Album von Michael Wollny in den Handel. Die Kooperation mit der hr-Bigband trägt reiche Früchte und zusammen mit Nils Landgren tourt der Jazzpianist zurzeit durch Deutschland. Also alles beim Alten beim gefragten Wahl-Frankfurter, der unermüdlich die Konzertpodien im In- und Ausland bereist. Von Detlef Kinsler 

Nicht ganz, denn tatsächlich lässt Wollny es 2014 ruhiger angehen. „Komplett auf Konzerte verzichten werde ich natürlich nicht, aber das Tempo der letzten Jahre ganz sicher etwas zurücknehmen. Musikalisch ist das von Zeit zu Zeit ja auch durchaus sinnvoll“, bemerkt der frisch gebackene Vater. Kontrabassistin Eva Kruse vom gemeinsamen Trio [em] hat sich ihre Babypause schon im vergangenen Jahr genommen. Schlagzeuger Eric Schaefer teilt derweil weiter die Bühne mit Wollny, mit dem US-Amerikaner Tim Lefebvre firmieren sie jetzt als Michael Wollny Trio, das mit einer anderen Dynamik besticht.

„Das Michael Wollny Trio ist nicht [em]. Das mag pedantisch klingen, aber für mich spiegeln schon die Projektnamen den Inhalt: Im einen steckt der Gedanke eines Kollektivs, im anderen der eines klassischen Klaviertrios“, formuliert Wollny den feinen Unterschied. „Dazu kam dann die Idee eines ruhigen Balladen-Albums. Das war mit [em] nie ein Thema.“Schon ein Blick auf das Cover der Trio-CD „Weltentraum“ verdeutlicht was der Tastenvirtuose damit meint. Songs der Alternative-Rocker The Flaming Lips und von Popsängerin Pink gehören zum Repertoire, ein klares Übergewicht aber haben klassische Themen von der Spätromantik bis zur Neuen Musik mit Motiven von Gustav Mahler, Alban Berg, Paul Hindemith, Edgar Varése, Friedrich Nietzsche und Wolfgang Rihm.„Der Grundgedanke war, lasst uns ein Album machen, bei dem es ganz einfach und banal um ,Songs’ geht, also in meiner Deutung um Lieder, Melodien, Gedichte“, erläutert Wollny. „Ohne es von vornherein zu wissen, wurde mir während der Auswahl des Materials irgendwann auch klar, dass das Album eine Art Nachtalbum oder auch Nachtmusik werden sollte, es also um Lieder als ,Nocturnes’ gehen könnte.“

Wollny Trio überrascht auf neuer Platte

Dass angesichts von drei Top-Solisten sogar bei einem Instrumentalalbum genügend Stimmen zu Gehör kommen, versteht sich von selbst. Trotzdem überrascht das Wollny Trio zum Finale der Platte auch mit einem Vokalisten. Theo Bleckmann, der für die Produktion „Songs I Like A Lot“ mit der hr- Bigband für einen Grammy nominiert wurde, singt hier seine Version von „God Is A DJ“. „Bleckmann habe ich anlässlich der Jazzbaltica 2011 kennengelernt, damals spielten wir unser erstes gemeinsames Duo-Konzert“, erzählt Wollny. „Eines der ersten Stücke, das wir uns damals vorgenommen haben, war ,God Is A DJ’. Ehrlich gesagt konnte und kann ich mit Pink nicht wirklich viel anfangen, aber unsere Duo-Version hat sich so weit vom Original gelöst, das hatte Spannung.“ Als ein passender Epilog für den „Weltentraum“ gesucht wurde, erinnerte man sich daran, dass eine Liveaufnahme davon im Archiv lag. „Ich mochte die Idee, dass ein Liedalbum zum Schluss noch mal ganz konkret wird und es eben auch gesungene Worte gibt. Selbst wenn sie von Pink stammen.“

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