Jack White auf Stippvisite in Frankfurt

Wüster Blues und Donnerhall

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Frankfurt - Der retro-futuristische Fernseher auf der Bühne der Alten Oper Frankfurt zeigt eine Art Testbild. Das ist durchaus als Hinweis zu verstehen, dass in dem in ein bläuliches Licht getauchten Saal kein visuelles Feuerwerk zu erwarten ist. Von Christian Riethmüller

Wozu auch, wenn die Musik, die gleich einsetzt, jede Show ohnehin verblassen lässt? Jack White, eine der prägenden Figuren der Rockmusik der vergangenen zehn Jahre, ist auf Welttournee, und als Ort für sein einziges Deutschlandkonzert hat er sich Frankfurts Renommierbühne ausgesucht. Dort ist für das Ereignis eigens die Bestuhlung im Parkett hinausgeräumt worden. Weil aus Sicherheitsgründen aber nicht mehr Tickets als sonst üblich verkauft werden durften, ist im schon lange ausverkauften Haus trotzdem reichlich Platz. Das verleiht dem Auftritt den Charme eines Clubkonzerts, allerdings mit einer unvergleichlichen Akustik.

White gilt als Soundfetischist mit einer Vorliebe für alte Instrumente und analoge Aufnahmegeräte, was bei allem Minimalismus, der sein musikalisches Schaffen bei den White Stripes, den Raconteurs, bei Dead Weather oder nun auch solo immer wieder bestimmt, stets interessante und liebevolle Details in seinen Songs verspricht. Diese Details, die bei Festival-Auftritten oder in großen Hallen gern im Lärm versinken, sind in der Alten Oper in aller Pracht zu vernehmen. Dabei geben sich White und seine fünfköpfige Band gar nicht den Anschein als wollten sie etwa das aktuelle (und ganz exquisite) Album „Lazaretto” werkgetreu aufführen. White entscheidet sich für andere Tempi, andere Phrasierungen bei seinem Gesang, lässt die elektrische Gitarre jaulen, wo eigentlich eine akustische zum Einsatz käme und gibt so Songs wie „Just One Drink” oder der famosen Raconteurs-Nummer „Top Yourself” eine ganz neue Richtung.

Bilder vom Konzert

Jack White in der Alten Oper

Doch sind bei den teils wüsten Garage-Blues-Interpretationen die verschiedenen Gitarrentypen, die White verwendet, ebenso gut zu hören, wie Lillie Mae Risches Fiedel oder Fats Kaplins Steel-Gitarre oder dessen faszinierender Einsatz des Theremins bei der brillanten Zugabe „Missing Pieces”. Über allem aber steht Daru Jones’ Schlagzeugspiel auf einer winzigen Schießbude, die mit ganz viel Hall abgenommen ist. Jones springt immer wieder auf, um aus dem Stand seinen Trommeln die Felle zu gerben. Das klingt gleichzeitig wie der Donner, den einst John Bonham bei Led Zeppelin entfachte, und das verhallende Echo uralter Blues-Singles, die in einer Scheune aufgenommen worden sein müssen.

Bei allem Staunen will einen dieser musikalische Wirbel aber nicht gänzlich hinwegreißen. White, ohnehin ein eher unnahbarer Interpret, hat das gut hundertminütige Programm nicht als Hitparade konzipiert. Selbst die sieben White-Stripes-Songs, die an diesem Abend geboten werden, sind nicht immer die vorhersehbare Wahl. Die einzige Konzession auf die Jack White sich einlässt, ist die letzte Zugabe. Seinen Welthit „Seven Nation Army”, Hymne in allen Fußballstadien auf diesem Planeten, ausgerechnet im Land des Weltmeisters nicht aufzuführen, wäre einem Testbild bei der Fernsehübertragung des WM-Finales gleichgekommen.

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