Gaslight Anthem in der Jahrhunderthalle

Mit Wumms, aber ohne Herz

Frankfurt - Mit kleinen Songs über kleine Leute, stets dargeboten mit einem riesengroßen Herzen, hat sich die amerikanische Band The Gaslight Anthem in einer wahren Ochsentour von den kleinen Clubs in die großen Hallen und die Stadien gespielt. Von Christian Riethmüller

Da stehen Brian Fallon und seine Jungs nun und sollen jeden Abend die Dringlichkeit und Hingabe wiederholen mit der sie etwa ihr zweites und bestes Album „The "59 Sound“ oder auch den Nachfolger „American Slang“ eingespielt haben.

Doch das ist ihnen nicht mit ihrer neuen, sehr erfolgreichen Platte „Handwritten“ und nun auch nicht bei ihrem Konzert in der vollbesetzten Jahrhunderthalle in Frankfurt gelungen. Bei allem Wumms und allem Druck, den die Band mit drei Gitarren erzeugt, fehlte doch die gewohnte Eindringlichkeit, mit der Fallon sonst sein Song-Personal und deren Hoffnungen und Sorgen präsentiert.

Während des anderthalbstündigen Auftritts, der mit dem öden „Mae“ vom neuen Album begann und mit dem alten Kracher „Great Expectations“ endete, gerieten zu viele Songs zur Punkrock-Dutzendware, die manchmal auch noch einen gefährlichen Drall in Richtung dumpfen Stadionrocks vom Kaliber 3 Doors Down oder gar Nickelback bekam. Vielleicht hat ihnen ihr Vorsorgeberater zu solchen Anlehnungsversuchen geraten, um wirklich jeden Hörer abzuholen, doch ihr ursprünglicher Sound, bei dem ja eher ein bei den Ramones oder bei The Clash mitspielender Bruce Springsteen das Rollenmodell ist, verwässert vor lauter „Woho“-Chören und immergleichen Gitarrenläufen, die über das Melodiemotiv nie hinausgehen.

Trotzdem hatten Gaslight Anthem natürlich genügend Hymnen im Gepäck, um die Meute in jene Glückseligkeit zu stürzen, für die nur gemeinsame Fan-Gesänge sorgen können. Herz braucht es dafür nicht, nur viel Luft.

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