Wunderbare Macht der Gewohnheit

Seit mehr als einem Jahrzehnt verzaubert der 39-jährige Belgier sein Publikum. Dabei schlüpft Helmut Lotti souverän von einer Rolle in die nächste.

Mal gibt er den Star-Tenor, den verruchten Latin Lover hat er ebenfalls drauf. Als Elvis-Imitator wusste Helmut Barthold Johannes Alma Lotigiers zu unterhalten. Eine gute Figur machte er als in Pelz gehüllter Russland-Sachverständiger. Als unwiderstehlicher Crooner verstand er zu überzeugen, und jetzt swingt er auch noch. Zumindest legt er sich in der Alten Oper mächtig ins Zeug, wenn er gleich zum Einstieg Brecht/Weills „Mack The Knife“ im satten Swing-Arrangement verabreicht. Selbst an Chansons und Standards wie „La Mer“ wagt sich der wendige Belgier. Singt, tanzt, steppt und plaudert ohne Punkt und Komma. Souverän wechselt er zum Rock’n’Roll, blüht richtig auf, wenn er „Amazing Grace“ endlich abgehakt hat, um sich in die Beine gehendem Rhythm’n’Blues zu widmen. Intensiv beschwört er soulig den Mississippi-Dampfer „Proud Mary“. Stets pfiffig begleitet vom Golden Symphonic Orchestra unter der Leitung von Wim Bohets, das sich strikt an die originalen Arrangements hält.

Bei Miriam Makebas Südafrika-Hymne „Pata Pata“ unternimmt Lotti einen ausgiebigen Spaziergang. Ein Ass nach dem anderen zieht er aus dem Ärmel. Am schönsten sind Lieder, die ohnehin jeder schon kennt. Die Macht der Gewohnheit eben. FERDINAND RATHKE

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