Wunderheiler am Werk

+
Christopher von Deylen ist Kopf der Formation Schiller.

Ganz langsam, wie zähflüssige Lava schiebt sich zur Zugabe eine sphärische Klangwand namens „Playing With Madness“ über die Bühnenrampe des ausverkauften Offenbacher Capitols. Wie ein starkes Sedativum wirken seit rund zwei Stunden die meditativen Töne auf das Publikum. Von Ferdinand Rathke

In der Bühnenmitte residiert Chefarzt Christopher von Deylen samt seinem Assistenten Christian Kretschmar hinter Knöpfen, Tasten und Reglern. Weiter vorn platzieren sich rechts und links zwei für den Rhythmus zuständige Wunderheiler: der Brite Cliff Hewitt sowieRalf Gustke, eigentlich Musical Director bei Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims. Von Stress geplagte Menschen entschleunigt das Mediziner-Kleeblatt mittels einer Therapie namens „Klangwelten“. Zur Gesundung verordnet der Ärztestab plakative Titel wie „Atemlos“. „Leidenschaft“, „Fernweh“ und „Sehnsucht“, die doch eigentlich das genaue Gegenteil von Entspannung verheißen. Das Publikum ruhigzustellen war ursprünglich nicht Intention des Wahlberliners Christopher von Deylen. Seit 1999 beliefert der mittlerweile 40 Jahre alte Pianist, Komponist und Produzent mit seinem sogenannten Global-Pop, ein massentaugliches Derivat aus Pop, Trance und Ambient.

Sieben Alben und diverse Konzertmitschnitte bescherten von Deylen nicht nur beruflich die Leichtigkeit des Seins. Mit „Lichtblick“, seinem jüngsten Projekt, sei er rundum zufrieden, ließ der Perfektionist vorab verlauten. Zur Präsentation verordnete er sich eine radikale Diät: Ohne imposante Bühnenkulissen und Gastsänger reduzieren sich Schillers träumerischen Klangepen auf das, was sie im Ursprung schon immer waren: Von deutschen Elektronikpionieren wie Tangerine Dream und Klaus Schulze inspirierte Konstrukte in Moll. Rein instrumental gestalten sich bis zu zehn Minuten lange Meditationen, die von Deylens Sehnsucht nach künstlerischer Anerkennung solide bis kompetent Rechnung tragen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare