New Yorker werfen ihr Schleppnetz

Hazmat Modine kommen aus New York. In einer nachgerade frappierenden Weise entspricht ihre Musik dem klassischen Ruf der Stadt als Schmelztiegel, als Ort, an dem die Kulturen mannigfach zusammenfließen. Von Stefan Michalzik

Der wichtigste Zufluss zum Hudson River wäre dem Gemisch von Hazmat Modine nach zu schließen freilich – wider alle Kenntnis der Geographie – der Mississippi. Die Konzerte der acht Musiker starken Band um den Sänger, Harmonikaspieler und Gitarristen Wade Schumann, die im Zuge der Weltmusikreihe im Frankfurter Palmengarten spielten, sind eine große Feier des Musikantischen.

Hazmat Modine wollen den Blues, ein Genre, in dem sich schon lange nichts mehr ernstlich bewegt, mit einer zeitgenössischen Haltung erneuern. Zu diesem Zweck plündern sie die im weitesten Sinne popmusikalische Historie. Kaum eine Wurzelmusik, die an diesem Abend nicht mal durchscheinen würde. Und manches mehr. Der Stilkanon, aus dem die New Yorker schöpfen, setzt im New Orleans der Zwanziger Jahre ein und endet mit der rauen Soul-Variante aus dem Memphis der Sechziger Jahre. Die Band greift Country und Folk, Rhythm’n’Blues und den frühen Jazz auf. Und sie streift immer wieder über die Grenzen Nordamerikas hinaus; mal klingt ein Reggae-Rhythmus an, dann wieder Klezmer oder osteuropäische Romamusik. Wade Schumanns raunzender Gesang erinnert an die großen Bluesshouter. Die Basslinien kommen vom Sousaphon, das prägende Instrument ist die von Schumann und Randy Weinstein gespielte diatonische Mundharmonika.

Es will so scheinen, als sammelten Hazmat Modine die Stilsegmente mit dem Schleppnetz auf. Buntscheckig ist ihre Musik indes durchaus nicht. Und so glaubhaft es hier um Erneuerung gehen mag, trägt das Ganze einen konservativen Zug. Mitunter ist es zu viel der Gemütlichkeit. Gerade das Solospiel auf dem Tenorsaxofon und der Posaune ergeht sich in abgedroschenen Phrasen. Neben den Harmonika-Spielern lässt Joseph Dalys mehr als nur gewieftes Sousaphon-Solo aufhorchen.

Was bleibt, ist der Eindruck einer Band, in der mehr stecken dürfte. Sie sollte den Mut aufbringen, sich vom Korsett des süffigen Entertainments zu befreien. Da könnten sich neue Horizonte eröffnen. Und man wäre am Ende vielleicht sogar unterhaltsamer.

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