Oleg Maisenberg beim Rheingau Musik Festival

Zähe Lehrstunde

Geisenheim - Beim Rheingau Musik Festival ist er Dauergast. Und Pianist Oleg Maisenberg hat immer ein originelles Programm parat, das er mit viel Eigensinn in epischer Breite abzieht. Von Klaus Ackermann

Diesmal Komponisten wie Skrjabin, Prokofjew und Schostakowitsch verhandelnd, Weichensteller der Musik des 20. Jahrhunderts. Ein Kompendium über russische Klaviermusik, leider überwiegend trocken und lehrhaft serviert – die befürchtete Strapaze auf Schloss Johannisberg.

Tschaikowskys Meditation D-Dur aus den auch beim russischen Klaviermeister zerbrechlich wirkenden Morceaux op. 72 besitzt noch beredtes Melos, beim „Herbstlied“ aus den „Jahreszeiten“ scheint Maisenberg jedem Ton nachzusinnen. Dagegen wird das ergiebige Skrjabin-Kapitel den kühlen Klavierklang-Ekstasen an Grenzen der Tonalität des spätromantischen Endspielers kaum gerecht.

Wie ein Nachruf auf Chopin wirken die „5 Préludes“ op. 16 in der nachdrücklichen Handhabung des Pianisten, der das raffinierte Figurenwerk und die in feinste Klangpartikel sich auflösenden Akkorde aber eher beiläufig absolviert. So wenig belebt hat man etwa das Vivo selten erlebt. Eher zurückhaltend auch die Sonate Nr. 2 gis-Moll, in der das Meer dann doch einmal in adäquaten Tempi rauschen darf.

Bei den „2 Poèmes“ op. 32 trifft Maisenberg zwar den morbiden Tonfall des Andante cantabile, doch beim Allegro con eleganza pflegt der Altmeister wieder seinen ganz persönlichen Eklektizismus. Und Skrjabins Walzer-Traum (As-Dur op. 38) scheint reichlich zerdehnt, bei nur angedeutetem rhythmischem Kreiseln.

Maisenbergs spröder, dynamisch kaum auffälliger Klavierklang trifft dagegen bei Dmitri Schostakowitschs vier Präludien (aus den 24 op. 34) ins Schwarze, die sarkastische Ader des modernen Klassiker herausstellend. Staubtrocken tönt es selbst im bedrohlichen Moll. Und beim Allegretto (Nr. 24) ist endlich mal was los, eine Art russischer Ragtime, der für Prokofjews Sonate Nr. 6 A-Dur op. 82 Hoffnungen weckt, die sich leider nicht erfüllen.

Zu drucklos wirkt dieser mit hammerharter ostinater Bewegung aufwartende Prokofjew, zu harmlos in den Tempi und gleichförmig im Anschlag. Absolut linientreu spielt Maisenberg, der alten Sachlichkeit verpflichtet. Abendfüllend ist das ganz schön anstrengend.

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