„37 Grad“

Berührende ZDF-Doku: Sohn totgeprügelt - diese Mutter besuchte die beiden Täter

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Emotionales Interview: Ingrid erinnert sich an den Tod ihres Sohnes und die Begegnung mit den Tätern. 

„Ich muss ihm in die Augen sehen“ - so betitelte das ZDF die „37 Grad“-Doku am Dienstag. In dem Film ging es um drei Frauen, die ein Schicksal eint: Ihre Kinder wurden ermordet.

Die Dokumentation spürte nach, wie die Frauen versuchen die Verbrechen zu verarbeiten, darunter Sigrid, deren Nachname nicht genannt wird. Sie verlor ihren Sohn Samuel. Er war 25 Jahre alt, als er aus dem Leben gerissen wurde. Es kam zu einem Streit in einer Gaststätte, Samuel wollte ein Mädchen beschützen, das von zwei jungen Männern belästigt wurde. Der Wirt schmiss alle raus. Vor dem Lokal musste er für seine Zivilcourage bezahlen. Nach einem Faustschlag wurde er ohnmächtig, fiel auf den Asphalt, erlitt einen Schädelbasisbruch. Den aufgebrachten Tätern reichte es noch nicht, sie traten auf seinen Kopf  ein. 

ZDF-Doku: Mutter hatte heftige Rachefantasien

Nach einer sechseinhalb Stunden dauerten Not-Operation erblickte Sigrid ihren Sohn im Krankenbett - ein Schock. „Sein Kopf war riesengroß, als hätte er über seinen Kopf noch einen Gymnastikball.“ In diesem Moment war ihr klar: Ihr Sohn werde sterben. Acht Tage später konnten die Ärzte den Vater einer damals dreijährigen Tochter nicht mehr am Leben halten. 

Nach dem Tod wurde seine Mutter von heftigen Rachegefühlen überwältigt. „Ich hatte eine sehr große Wut. Habe mir die allerschlimmsten Dinge ausgedacht, die den Tätern passieren sollten. An Grausamkeit hatte ich da überhaupt keine Grenzen.“ 

Doch diese Rachefantasien kosteten nur Kraft und heilten keine Wunden. Irgendwann suchte sie die Konfrontation mit den Tätern, die mittlerweile in Haft saßen. Zuerst begegnete sie dem Jüngeren, der zur Tatzeit erst 19 Jahre alt war. Er wurde zu dreieinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. 

37 Grad: Einer der Täter fängt an zu weinen

Der junge Mann bedauerte im Gespräch mit Sigrid seine Tat, schien aufrichtig betroffen zu sein, doch richtig reflektieren konnte er sie nicht. Er verstand nicht, wieso Samuel gestorben ist. Alle anderen, mit denen er sich zuvor geprügelt habe, seien doch auch wieder aufgestanden. Wieso er auf den am Boden liegenden Mann eingetreten habe, darauf konnte er der Mutter keine Antwort geben. „Er hat angefangen zu weinen und nur noch gestammelt: Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.“

Die Begegnung mit dem zweiten Täter verlief total enttäuschend. Er stritt seine Verantwortung am Tod des 25-Jährigen ab. Sigrid versuchte ihn dennoch mit seiner Schuld zu konfrontieren. Sie sagte ihm: „Wenn Sie Ihre Füße ankucken, egal ob Sie morgens ihre Socken anziehen, ob sie ihre Fußnägel schneiden oder durch den heißen Sand gehen und dabei ihre Füße spüren, denken Sie immer daran, dass Sie mit diesen Füßen gegen den Kopf meines sterbenden Sohnes getreten haben. Und ich hoffe, dass jeder Schritt, den Sie in Ihren Leben machen, Sie daran erinnert, dass sie mit diesen Füßen jemanden totgetreten haben.“

Mutter des Toten in ZDF-Doku: „Es hat die Täter entzaubert“

Ob der Besuch bei den Täter etwas gebracht hat? Sigrid bejaht das: “Es hat diese Täter entzaubert, sie hatten dann keine Macht mehr über mich.“ 

Die ganze „37 Grad“-Doku können Sie sich bis zum 10. Dezember hier in der Mediathek des ZDF anschauen. 

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