Udo Jürgens in der Festhalle

Zeit der großen Gefühle

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Tief beeindruckend ist die Energie, die Udo Jürgens auf der Bühne ausstrahlt – auch beim Auftritt in der Festhalle.

Frankfurt - „Schenk’ mir einen Traum“, singt Udo Jürgens zur Eröffnung und holt das Publikum sofort ab. Träume haben, an sich glauben und niemals aufhören zu hoffen – das sind Botschaften, die der Sänger gern aufgreift. Von Anke Steinfadt

Dinge, die jeden Einzelnen, egal welchen Alters oder welcher Herkunft, tief im Innersten bewegen. Udo Jürgens bringt sie direkt auf den Punkt. Und es ist das Unverkitschte seiner Lyrik und der positive Realismus, die den Zuhörer aufhorchen lassen.

Dass es ihm wichtig ist, verstanden zu werden, davon zeugt die akzentuierte Weise seines Gesangs. Nuscheln kommt nicht in Frage. Auch die Akustik ist perfekt ausgesteuert. So trifft die unverkennbare Stimme des Österreichers dem Publikum in der nahezu ausverkauften Frankfurter Festhalle direkt in die Seele.

Das zwanzigköpfige Pepe-Lienhard-Orchester mit dem Vokal-Jazz-Quartett „The Voices“ bereiten mit Udo Jürgens am Flügel eine musikalische Inszenierung der Extraklasse. Pop, Chanson, Jazz und viele andere Stile vereinen sich zu einem vielfältigen Ganzen. Die Bezeichnung „Schlager“ ist viel zu kurz gegriffen.

Leise Töne

Im ersten Teil des Abends stehen die Lieder des aktuellen Albums „Der ganz normale Wahnsinn“ im Mittelpunkt. Leise, nachdenkliche Töne überwiegen. Nicht nur Menschliches und Zwischenmenschliches werden verhandelt, die Überlegungen drehen sich wie immer auch um gesellschaftliche Themen. „Werte niedrig, Preise hoch“, stellt Udo Jürgens nüchtern fest und beklagt in „Du bist durchschaut“ den zunehmenden Verlust der Privatsphäre. Kritik und Humor gehen dabei meist Hand in Hand.

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Udo Jürgens hat mehr als 1.00 Songs komponiert und über 50 Alben veröffentlicht. In seiner fünf Jahrzehnte andauernden Karriere verkaufte er über 100 Millionen Tonträger und zählt zu den erfolgreichsten männlichen Solokünstlern. Zuletzt sammelte er mit dem Zweiteiler „Der Mann mit dem Fagott“ Ruhm und Preise ein. Zu einem Zusammenschnitt von Szenen der TV-Biographie spielt das Orchester die Filmmusik. Es sind ergreifende Minuten, die das Leben des 78-Jährigen zusammenfassen. Udo Jürgens hat viel durchgemacht. Die Energie, mit der er heute noch auf der Bühne steht, ist tief beeindruckend. Die anhaltende Zuneigung seiner Fans nimmt er nicht als selbstverständlich hin.

Die „Oldies“, wie der Sänger sie selbst nennt, enthält er ihnen nicht vor. Er singt „Ich war noch niemals in New York“, „Mein Bruder ist ein Maler“ und „Ein ehrenwertes Haus“. Die ganz großen Gassenhauer wie „Aber bitte mit Sahne“ und „Griechischer Wein“ verschmilzt er in einem Medley. „Mit 66 Jahren“ bekommt eine Extraportion Rock verpasst. Zwischendurch schüttelt er unzählige Hände, nimmt Blumen und Geschenke entgegen. Viele Fans sind direkt vor die Bühne getreten. „Merci Cherie“ gehört zu den – obligatorisch im weißen Bademantel vorgetragenen – Zugaben. Zweieinhalb Stunden große Gefühle sind im Nu vergangen.

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