Zeitreise mit guter Stimmung

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Die schwedische Sängerin Robin Miriam Carlsson alias Robyn.

Robyn liebt es scheibchenweise: In drei Teile zerpflückte die schwedische Sängerin, Komponistin und Produzentin ihr Album „Body Talk“. Von Ferdinand Rathke

Als dreistufige Trägerrakete ist das Programm des vom Frankfurter Mousonturm ins Offenbacher Capitol verschobene, seit Wochen ausverkauften Eröffnungsgastspiels der großen Deutschlandtour angelegt: Zunächst ist Natalia Kills an der Reihe; es folgt Mr. Beasley; und erst gegen 22.30 Uhr bittet die platinblonde Unterhalterin zum Auftakt einer mit 70 Minuten arg knapp bemessenen Reise in die Vergangenheit: „Time Machine“.

Robyn nimmt eine Sonderstellung ein

Ein Credo, das sich durch sämtliche Songs zieht – obwohl das mit zwei sich drehenden Windrädern auf Futurismus getrimmte Bühnenambiente, in dem sich vier einheitlich weiß gekleidete Begleitmusiker (zwei Schlagzeuger, zwei Keyboarder) tummeln, das Gegenteil suggerieren möchte. Robyn tanzt im hektisch flutenden Flackerlicht zu Tanzrhythmen im Stakkato-Beat, die Legenden wie Giorgio Moroder, Patrick Cowley und Bobby Orlando schon vor Dekaden vom Disco-Boom abhoben und die trotz fortgeschrittenen Alters innovativ tönen.

Im Heer internationaler Alleinunterhalterinnen wie Pink, Rihanna, Kylie Minogue, Christina Aguilera und Katy Perry nimmt Robyn eine Sonderstellung ein. Während diese Damen auf wenig spontane Produktionen im Las-Vegas-Stil setzen, bleibt die 30 Jahre alte Schwedin sich nach ihrem Turboaufstieg im Vorprogramm von Madonnas Europatour 2008 treu: Weder zig Kostümwechsel noch choreografierte Tanzeinlagen trüben ihre spartanische Leistungsschau, die in Sekunden gute Laune zaubert.

Tanz auf Plateausohlen zu zeitlosen Club-Hymnen

Selbstvergessen tanzt Robyn auf Plateausohlen zu zeitlosen Club-Hymnen wie „Fembot“, „We Dance To The Beat“ und „Don’t Fucking Tell Me What To Do“. Beschwört manisch, sie sei „Indestructible“, behauptet mit Nachdruck „Love Kills“ und empfiehlt daher die Alternative: „Dancing On My Own“. Bei Robyn wird der Mensch, gleich welchen Geschlechts, sexueller Präferenz oder Alters er sei, zum einsamen Outlaw im Laserstrahl der Großraumdisco. Mörderisch unterhaltsam ist ihr verführerischer „Body Talk“, frei nach Olivia Newton-Johns Motto „Let’s Get Physical“, aber allemal!

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