Zeitreise in die Siebziger

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Heute, bei der allerersten Welttournee seiner langen Karriere (mit immerhin 80 Millionen verkauften Platten), nimmt Jean Michel Jarre die Zuschauer mit auf eine Reise in eben jene Zeit und noch weiter zurück.

Mannheim - Der Mann ist immer für eine Zeitreise gut. Damals, Mitte/Ende der 70er, als seine Meisterwerke „Oxygène“ und „Equinoxe“ ihn zum Pionier der Elektronikmusik machten, ermöglichten seine Klänge den Blick in die Zukunft. Von Markus Schaible

Heute, bei der allerersten Welttournee seiner langen Karriere (mit immerhin 80 Millionen verkauften Platten), nimmt Jean Michel Jarre die Zuschauer mit auf eine Reise in eben jene Zeit und noch weiter zurück. Denn die Konzerte sind vor allem eins: Sie sind retro. Was keinesfalls abwertend gemeint ist. Auf der Bühne der Mannheimer SAP-Arena (näher kam Jarre leider nicht ans Rhein-Main-Gebiet heran) stehen Synthesizer, die angesichts der technischen Entwicklung als Dinosaurier angesehen werden können, selbst das Theremin kommt zu Ehren – es ist das 1919 erfundene, allererste funktionierende elektronische Instrument.

Da passt es gut, dass die Videos, aber auch die Liveaufnahmen der Musiker und ihrer Instrumente, die zwischendurch auf der Leinwand zu sehen sind, überwiegend schwarz-weiß sind. Dazu gibt es eine Lasershow, wie sie vor Jahren in Großdiscos der letzte Schrei war. Das große Aber: Es wirkt, auch im Jahr 2010. Was der Soundtüftler und seine drei Begleitmusiker den „antiken“ Instrumenten an Klängen entlocken, ist viele Jahre alt, klingt aber kein bisschen altbacken. Es gibt Kritiker, die Jean Michel Jarre als Verwalter seiner einstigen Großtaten abtun. Man kann, muss es aber nicht so sehen.

Wie ein Derwisch hüpft er über die Bühne

Der mittlerweile 61-jährige Franzose jedenfalls hat Spaß an dem, was er macht – auch wenn nicht wie einst Millionen zu seinen Rekord-Konzerten kommen, sondern nur noch 3500 Besucher. Jarre stört das nicht. Wie ein Derwisch hüpft er über die Bühne, animiert das Publikum zum Mitklatschen, springt zwischen seinen Instrumenten umher, dreht Knöpfe, lässt die Finger über Tasten sausen, schlägt immer wieder auf die kleinen Becken, die an seiner Kommandozentrale des Elektrosounds befestigt sind und gern mal verfremdet erklingen.

Überhaupt, es zischt, piept, klingelt, zirpt, pfeift immer irgendwo neben den Melodien, die im Vergleich zum Original leicht abgewandelt sind. Dazu dröhnt ein Bass, der dem Tontechniker eindeutig entglitten ist. Jarre ist’s egal: Ein wenig Magnetic Fields hier, etwas Revolution da, dazu ein bisschen Chronologie und Rendez-Vous, aber immer wieder Equinoxe (davon gibt es acht Teile) und Oxygène (13 Teile), die bombastischen Klanggebilde mit ebensolcher Licht- und Lasershow lassen keine Langeweile aufkommen. Willkommen in den 70ern – und in der Zukunft.

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