Zeitreise im Zeichen der Lyra

Zum geflügelten Wort entwickelt hat sich, was dem Hamburger Pianisten in den Karriereanfängen gern mal aus dem Mund rutschte: „Sehr schwierig zu spielen!“ Von Ferdinand Rathke

Eine stets mit verschmitztem Grinsen geäußerte Phrase, die auch in Frankfurts Alter Oper zur Belustigung des Publikums als Running Gag wiederkehrt. Nicht das einzig erprobte Altbekannte, das Joja Wendt in seinem neuen, mit visueller 3D-Technik aufgepeppten Programm „Im Zeichen der Lyra“ integriert.

Da wäre der eigens für Wendt angefertigte Miniatur-Steinway. Oder die Mitmachaktion für das allzu willige Publikum: Diverse Geräusche rund um einen Regenschauer müssen mit Händen und Stimme imitiert werden. Aber auch der Call- und Response-Chor des Auditoriums zur Zugabe bei Muddy Waters’ Mississippi-Delta-Blues „I’ve Got My Mojo Working“ – das einzige Stück übrigens, das Wendt selbst singt – besitzt Wiedererkennungswert. Nicht zu vergessen der unglaublich lockere Umgang mit dem Publikum.

Parabel auf die reale Welt

Doch der 46 Jahre alte Hanseat mit Vornamen Johan hat sich auch jede Menge Neues ausgedacht. Genauer gesagt eine fantastische Geschichte: „Im Zeichen der Lyra“ ist eine Parabel auf die reale, aber auch auf die Welt der Musik. Eine rund 2 200 Jahre alte Komposition namens „Seikilos“ macht den Anfang der zweistündigen Sage um die mächtige Orgel, der Königin der Instrumente, die in einem düsteren versteinerten Turm residiert. Eine gestrenge Hüterin von Regeln – improvisieren gilt als Todsünde. Als das Klavier eines Tages ausbricht, wird es kurzerhand verstoßen und landet, na klar, bei Joja Wendt auf der Bühne.

Ausgangspunkt für eine Reise durch sämtliche möglichen wie unmöglichen Stile und Epochen: Von Bach und Mozart, Grieg und Strauss bis zu Glenn Miller. Verzichten mag der launige Rundumschlag auch nicht auf die Kabinettstückchen für besonders gelenkige Finger: Khatchaturians „Säbeltanz“ und Rimski-Korsakows „Hummelflug“. Doch ganz besonders glänzt Wendt immer wieder bei atemberaubendem Boogie Woogie – jenem Genre, das der Virtuose in Hamburger Kneipen einst zum Besten gab.

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