Zeljko Lucic singt in Verdis „Falstaff“

Kraft kommt aus der Stille

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Der gefeierte Bariton bewahrt Bodenhaftung

Frankfurt - Die Partie hat ihm gerade noch gefehlt. Als beleibter Ritter Sir John Falstaff steht Zeljko Lucic erstmals auf der Opernbühne. Damit krönt der international gefragte Bariton sein üppiges Verdi-Repertoire. Von Klaus Ackermann 

Den „Falstaff“ in Szene gesetzt hat der britische Regisseur Keith Warner. Bertrand de Billy dirigiert das Frankfurter Opern- und Museumsorchester. Premiere ist am Sonntag um 18 Uhr an der Oper Frankfurt. „Als Mann aus dem Volk, der denkt, er sei ein Ritter, der gern gut isst und trinkt und sich nach wie vor für einen Schwerenöter hält.“ So sieht Lucic seine Titelrolle, für die er 250 Pfund mit sich herumschleppt - wie das Verdis Textdichter Boito verlangt. Ein von der Damenwelt gefoppter und von den Herren der Schöpfung eifersüchtig beäugter Fettwanst.

Wie eine Tonne fühle er sich auf der Bühne, sagt der Sänger, der freilich nicht nur den Komödianten, sondern auch einen nachdenklichen Falstaff kennt. „Das Leben sei manchmal nicht gerade schön, aber schließlich habe man nur eines, lautet seine Philosophie.“ Zwischen Opera buffa und bitterer Komödie habe auch der Brite Warner die auf Shakespeares „Lustigen Weiber von Windsor“ basierende Oper angesiedelt. Verdis letztes Bühnenwerk pflege zudem neben dem berühmten Legato ein stimmlich feinnerviges Psychologisieren, das Lucics Bariton liegt, der auf eine „gute Rolle für die Zukunft“ hofft. Denn im italienischen Fach ist er wieder viel unterwegs. Nach dem Scarpia (Puccinis „Tosca“) und Verdis „Nabucco“ an der Wiener Staatsoper sowie „La Traviata“ in Mailand stehen noch Verdis „Simon Boccanegra“ an der Dresdner Semper-Oper und Giordanos Carlo Gérard („Andrea Chenier“) an der New Yorker MET (neben anderem) an. Dagegen sei seine Stimme für Richard Wagners Operndramen nicht geeignet, antwortet Lucic so bestimmt wie geradeheraus auf entsprechende Anfrage.

Ein professioneller Sänger zu werden, daran habe er in jungen Jahren überhaupt nicht gedacht. Bis er in seiner serbischen Heimat einem jungen Chor beitrat, dessen Dirigent das Potential von Lucics Bariton erkannte. Es folgte ein Gesangsstudium in Novisad und bei der berühmten Biserka Cvejic, zu Callas’ und Tebaldis Zeiten eine gefragte Mezzosopranistin. Frankfurt wurde zum Ausgangspunkt seiner Karriere - dem Ensemble der Oper gehörte Lucic von 1998 bis 2008 an. In Frankfurt, wo er mit Ehefrau und zwei Söhnen lebt, fühlt er sich auch heute noch daheim. Und wenn er nicht wieder einmal mit Verdi befasst ist, hört er gern knallharten Rock von Deep Purple bis AC/DC.

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Geht es um die Pflege der Stimme, wahrlich ein kostbares Instrument, empfiehlt der Opernstar dagegen absolute Ruhe - keine ausschweifenden Partys, keine langen Reden … In der Stille liegt die Kraft. Obwohl längst ein Opernstar, ist ihm der Rummel um seine Person herzlich zuwider. Lucic sieht sich am liebsten als ganz normaler, arbeitender Mensch. Gar nicht so einfach für einen, dem das Publikum zwischen New York, Frankfurt und Mailand zu Füßen liegt.

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