Aus Zieglers Zauberkasten

Sanfte Töne schmeichelten den Ohren bei der letzten „Capitol Classic Lounge“ dieser Saison. Von Eva Schumann

Die Neue Frankfurter Philharmonie und ihr künstlerischer Leiter Ralph Philipp Ziegler hatten „die Natur in ihrer ganzen kristallinen Existenz in ein verzaubertes Kästchen gepackt“, wie das Programmblatt poetisch meldete. Im weiteren Sinn gehörten dazu auch Dvoraks „Cypressen“, unter der Leitung von Jens Troester in der Orchesterfassung von 1888 behutsam und sensibel gespielt. Ausgiebiges Rubato, Ritardando und Pausieren, Takt- und Stimmungswechsel machten die Verwirrung der Gefühle deutlich.

Dirigent und Komponist Leopold Stokowski schmückte gern ältere Musik mit neuen Farben. Seiner Orchesterbearbeitung zweier Tanzsätze von Buxtehude fügte er den schwebenden Klang der Ondes Martenot hinzu, im Capitol ersetzt durch Synthesizer. Vom barocken Buxtehude war in der romantisch verklärten Fassung allerdings nicht mehr viel übrig.

Ähnlich ätherische Klänge entlockte man im 18. Jahrhundert der Glasharfe. Für die blinde Harfenistin Marianne Kirchgäßner schrieb auch Mozart Kompositionen, so 1791 Adagio und Rondo für Glasharfe, Flöte, Oboe, Bratsche und Violoncello KV 617. Im Ensemble mit Orchestermitgliedern erwies sich Clemens Hofinger als vortrefflicher Interpret des zarten Instruments. Auch beim solistischen C-Dur-Adagio KV 617a konnte man seine Virtuosität bewundern.

Für Olivier Messiaen war der Vogelgesang eine der wichtigsten Inspirationsquellen. Im „Quatuor pour la fin du temps“, das er 1940 in Kriegsgefangenschaft schrieb, übertrug er der Klarinette die Nachahmung der Naturklänge. Dass dieses Instrument dafür ideal geeignet ist, davon überzeugte die ungemein farbige Gestaltung des Solosatzes „Abîme des Oiseaux“ durch Stefan Bartmann.

Von den Vögeln zu den Fischen: Kein Komponist hat so eindrucksvoll das Aquarium musikalisch beschrieben wie Camille Saint-Saëns im „Carneval des animaux“. Natürlich durfte dieser Satz im Programm nicht fehlen, schon weil die Glasharmonika hier ihre Farben mit einmischen konnte. Mit empfindsamen Klängen charakterisierte John Williams im legendären zweiten „Star Wars“-Film die Figur des weisen Joda. Glockenspiel, Flöte und Harfe bereichern „Yoda’s Theme“ mit silbrigen Intermezzi.

In der Moderne angelangt, wandte sich das Orchester Frank Zappa zu, und hier wurde der Klang deftiger. „Zappa makes the Water (Music) Turn Black“ ist eine originelle Konfrontation von Händels Wassermusik, die Patrick Bishay in Zusammenarbeit mit Ziegler und Orchestermitgliedern für die Neue Philharmonie arrangiert hat. Tänze der Händel-Suite wechselten jeweils mit Zappa-Stücken wie „Yellow Snow“ und „Dancing Fool“. Orchester und Dirigent präsentierten die schräge Mischung mit Pepp, Überzeugungskraft und Vergnügen. Wie der Applaus zeigte, hatte das Publikum mindestens ebenso viel Spaß.

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