Zirzensische Meisterschaft

Höchstleistungen sind alljährlich beim Artisten-Festival in Monaco zu bestaunen, das offenbar musikalisch beflügelt. Denn so virtuos, kompakt und solistisch hochwertig hat man das Orchestre Philharmonique de Monte Carlo selten erlebt, gern gehörter Gast beim Rheingau Musik Festival im Kurhaus Wiesbaden. Von Klaus Ackermann

Als souveräner Klangmagier erwies sich wieder einmal Chefdirigent Yakov Kreizberg, die instrumental aufwändige „Scheherazade“, Kunststück von Nikolai Rimski-Korsakow, farbenfroh erkundend. Herzblut vergoss Solist Gautier Capuçon im romantischen Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll von Antonin Dvorak.

Der französische Weltklasse-Cellist ist prädestiniert fürs Dvorak-Konzert mit seinen emotionalen Höhen und Tiefen. Große Klang-Gesten auf einem alten, obertonreichen italienischen Instrument und ein ideales Zusammenspiel mit Dirigent und Orchester, die Capuçon bei dezenter Körpersprache zu motivieren versteht, wie er sich von ihnen inspirieren lässt.

Zwischen aufbegehrenden Schmerzenstönen und mildem Horn-Melos bewegt sich der Cellist mit einer Leidenschaft, die in Atem hält. Wie auch der Druck aufs Instrument, intonatorische Unschärfen gnadenlos in Kauf nehmend. Selbst die präzisen Figurationen oder die wie Rezitative anmutenden Kadenzen sind nur empfindungsstärkende Mittel.

Nach böhmischem Melos, meist weichen Holz- und Blechbläsern anvertraut, und rhythmisch akzentuiertem Volkstanz schließt das Dur-Finale in einem schier unendlichen, feinnervigen Diminuendo des Violoncello – vom „Basta“-Effekt der Bläser haben Generationen von Filmkomponisten profitiert. Danach spielt der überragende Solist noch den munteren Marsch aus Prokofjews Suite für Kinder.

Dann das märchenhafte Panorama besonderer Art, Rimski-Korsakows „Scheherazade“, die dem Sultan 1001 Märchen erzählt, um zu überleben. Auf dieses Ringen zielt Kreizbergs Dramaturgie. Dabei sendet der vom Schlag-Repertoire so ungemein flexible Dirigent dauerhafte Impulse, die den orchestralen Organismus rhythmisch und klanglich immer wieder neu beleben. Viele schöne Stellen, ein halbes Violinkonzert mit dem fabelhaften Konzertmeister David Lefebre, aber auch Holzbläser-Soli und Blech-Urgewalten, die das Bedrohliche wie das Besänftigende, die orientalischen Melismen wie den russischen Valse perfekt umsetzen. Sinfonische Feinkost in appetitlichen Happen, zirzensisch-virtuos serviert – hoffnungsvoller Auftakt der Orchesterkonzerte in Wiesbaden.

Rubriklistenbild: © segovax / Pixelio

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