Kritik zum neuen "Star Trek"-Film

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Im Mittelpunkt der Handung steht die Entwicklung eines jungen Mannes namens James Tiberius zu Captain Kirk (Chris Pine).

Der neue "Star trek"-Film ist ein dynamischer Actionstreifen, der das Vorbild entrostet und sich zugleich liebevoll davor verbeugt. Und er  gibt den Fans, was sie verdienen: die Erklärung, wie alles seinen Anfang nahm.

Die Stunde der „Prequels“, der nachträglich inszenierten Vorgeschichten ist gerade angebrochen im Kino. Nach „X-Men Origins: Wolverine“ nun also „Star Trek“. Das ist ein noch viel schwierigeres Unterfangen, denn die Gesichter der Besatzung des „Raumschiff Enterprise“, von William Shatner als Commander James Tiberius Kirk, von Leonard Nimoy als Spock, von Scotty, Pille, Sulu und Uhura, haben sich eingefressen ins kollektive Unbewusste. Und wer will anderes überhaupt sehen? Die eingeschworenen Fans sind nostalgisch, die Jüngeren längst ganz anderen Reizen verfallen. Trotzdem: Es gelingt! Regisseur J. J. Abrams gelingt eine virtuose Renaissance des „Enterprise“-Mythos, die, das kann man schon jetzt sagen, Folgen in Form weiterer Filme haben wird.

Bilder aus dem neuen "StarTrek"-Film

Die Bilder aus dem neuen Star-Trek-Film

Erzählt wird von Kindheit und Jugend der Helden. Das Trauma eines toten Vaters steht am Anfang von Kirks Leben. Aus Kirk wird ein wilder All-american-boy, bis die Welt fast untergeht, und er sich in eine Schwarze verliebt – Lieutenant Uhura. Fans wissen, dass es bereits im Fernsehen einmal zu einem Kuss kam, und dies war der erste „interrassische“ Kuss im US-Fernsehen: „Enterprise“ entstanden im liberalen Zwischenhoch der Sechzigerjahre, war schon immer ein progressives Stück Popkultur. Überhaupt ist es die Figur der Uhura – das Wort bedeutet „Freiheit“ auf Suaheli –, die nun am meisten aufgewertet wird. Sie (Zoe Saldana) wird zum Liebesobjekt von Kirk (Chris Pine) und Spock (Zachary Quinto und Leonard Nimoy) zugleich.

Daneben ist Spock die Hauptfigur: der Erz-Rationalist als emotionales Zentrum des Films. Die Bösen sind die Romulaner, Zeitreisen spielen eine überaus wichtige Rolle – insoweit ist alles wie immer. Dazu gehört auch, dass „Star Trek“ genau in dem historischen Augenblick kommt, in dem das liberale Amerika unter Präsident Obama so etwas wie seine Wiederauferstehung erlebt. Dabei sind die Konflikte eher eindimensional. Aber die Mission des Raumschiffs ist die einer „friedenserhaltenden und humanitären Armada“.

Nicht weniger wichtig sind Form und Stil. „Star Trek“ ist frisch und intelligent. Zugleich ist dies ein dynamischer Actionfilm, der das Vorbild entrostet und sich zugleich liebevoll davor verbeugt. Was leider fehlt, sind die Pop-Farben der Sixties. „Star Trek“ versucht nicht, den Look der Serie zu imitieren, und verfällt der Einheits-Science-Fiction-Ästhetik neuerer Filme. Ansonsten ist das Werk furios und gibt den Fans, was sie verdienen: die Erklärung, wie alles seinen Anfang nahm, was sie lernten, am Bildschirm zu lieben. (In München: Mathäser, Cinemaxx, Münchner Freiheit, Museumslichtspiele OV.)

Rüdiger Suchsland

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