Zukunft des Rock’n’Roll im Hafen2

Offenbach - Wenn man eine gute Rock’n’Roll-Band sehen wolle, sagt Ezra Furman, dann befinde man sich nicht am rechten Ort. Da liegt er falsch. Ezra Furman & The Harpoons sind eine gute Rock’n’Roll-Band. Mehr noch: Sie sind derzeit eine der besten weithin. Von Stefan Michalzik

Ezra Furman macht keine Gefangene. Der Wahl-New-Yorker, der mit seiner Band The Harpoons im Offenbacher Hafen 2 spielte, ist ein schmächtiger Kerl, dem man auf den ersten Blick ein romantisches Geklampfe zuschreiben würde. Wenn man den ersten Ton von ihm und der Band gehört hat, sieht alles gleich ganz anders aus. Der Mann vermag so manches Wässerchen zu trüben. Akustikgitarre spielt er zwar, und auch die Mundharmonika. Doch der Korpus der Gitarre ist schwarz – und das darf man durchaus als Zeichen lesen.

Nicht nur romantische Klänge

 Es ist der Folkrock der Dylanschule, an den Ezra Furman & The Harpoons anschließen. Der so simplen wie zündenden Dynamik hämmernder Rhythmen vermag Furman, der sämtliche Songs schreibt, immer wieder neue Varianten abzugewinnen. Jedem Song ist etwas besonderes eigen, und ein jeder geht sofort ins Ohr und in die Beine. Die Musik ist mitreißend, zugleich baut Furman eine epische Distanz im Sinne eines klassischen Songwritings mit Verwurzelung in der US-Folktradition auf. Neben den Schrammelgitarren ist es vor allem die räudige, sich stetig beinahe überschlagende Stimme des Mittzwanzigers, die das Bild prägt.

Selbstmord ohne Ironie

Der Gesang gibt der Musik eine spezielle Intensität, bis zur manischen Überdrehtheit. Die Texte sind durch einen böshumorigen Biss gekennzeichnet. Hinter dem musikalischen Hedonismus und der exzessiven Geste lauern Abgründe. „Suicide Attempt" lautet ein Titel, Selbstmordversuch. In der Ansage gab Ezra Furman kund, sich manchmal sehr schlecht zu fühlen. Bar einer ironischen Abfederung.

Von den Alben geweckte Erwartungen, zuletzt erschien „Inside the Human Body", werden im Konzert noch übertroffen. Diese eingeschworene Band ist umwerfend. Auf den jungen Bruce Springsteen prägte einst ein US-Journalist das geflügelte Wort, er habe die Zukunft des Rock'n'Roll gesehen. Mehr als drei Jahrzehnte später lässt es sich auf Ezra Furman übertragen.

Rubriklistenbild: © Paul-Georg-Meister / Pixelio

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