Zwei Herzen in Pianisten-Brust

Frankfurt - Krude Klangideen und Grenzüberschreitungen sind die Sache des Pianisten Wolfgang Dauner nicht – eher schon eine riskante Harmonieseligkeit. Von Sebastian Hansen

Durchaus nicht zum Schaden bei seinem Publikum, das ob seiner Zugehörigkeit zum populären, von ihm mitbegründeten United Jazz + Rock Ensemble weit über die engeren Kreise der Jazzhörer hinausreicht.

Es war ein beschwingter Abend, den man mit seinem Trio in der Frankfurter Reihe Jazz im Palmengarten erleben konnte. Stetig wechselte der Freund der Harmonien mit dem anderen Dauner, dem Rhythmiker, der die Akkorde in einem perkussiven Stakkatospiel ins Klavier hämmert, meist mit einem swingenden Groove.

Dauner, der 1963 sein erstes Trio gründete, hatte spätestens in den siebziger Jahren seinen Stil ausformuliert und hernach die Moden an sich vorüberziehen lassen. Sein Wille zum Experiment war immer gleichsam vertikal orientiert, nicht an der Kategorie einer „Entwicklung“. Sein Werk lässt sich darum nicht in Phasen gliedern. Nach einem Schlaganfall, in dessen Folge er das Spiel mit der linken Hand neu erlernen musste, ist Dauner wieder zurück.

Neben Eigenkompositionen stehen solche von Weggefährten wie Albert Mangelsdorff und Charlie Mariano. In Richard Rogers „My Funny Valentine“, schon seit langem zu Dauners Konzertfundus gehörig, lässt er die Melodie unangetastet; Gershwins „Summertime“ hinwiederum zerlegt er mit Akkordverschiebungen.

Wie bei Generationen von Klaviertrios ist es auch hier das klassische Modell des erklärten Vorbilds Bill Evans, das Pate steht für eine kontrapunktische Verwebung der instrumentalen Stimmen von Dauner, dem Melodiebassspieler Mini Schulz und Florian Dauner, dem Sohn, am Schlagzeug.

Wolfgang Dauner und sein Trio verströmen eine beschwingte Leichtigkeit; Leerlauf gibt es im dichten Geflecht keinen. Es muss ja schließlich nicht immer die Speerspitze der Avantgarde sein.

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