Abiturienten der Leibnizschule bekommen ihre Zeugnisse überreicht

High-Heels statt Flip-Flops

+
Gemäß des feierlichen Anlasses kamen die Abiturienten schick gekleidet zu der Zeugnisübergabe in die Turnhalle ihrer Schule.

Offenbach - Erleichterung und Stolz an der Leibnizschule. Nach erfolgreichen Prüfungen haben nun 115 Abiturienten bei einer akademischen Feier ihre Reifezeugnisse erhalten. Von Peter Klein

Die vorderen Reihen in der Turnhalle in der Leibnizschule sind denen vorbehalten, die jetzt die Schule hinter sich haben. Dr. Frank Schlömer, dem Vorsitzenden des Schulelternbeirats, gefiel, was er vor sich sah. Viele der Jungen waren im Anzug erschienen, Mädchen in Kleidern und High Heels. „Dies ist dem Anlass und der Bedeutung dieses Tages auch angemessen“, so Schlömer. Er erinnerte an die Zeit als er selbst Abitur machte. Damals sei man zwischen zwei Schwimmbadbesuchen in Badelatschen und Batik T-Shirt ins Sekretariat gegangen und habe sich formlos sein Abitur abgeholt.

Den 115 Abiturienten der Leibnizschule steht nun die Welt offen. Getreu dem Namensgeber der Schule können die jungen Männer und Frauen sich nun in „die Beste aller möglichen Welten“ aufmachen. Bei der akademischen Feier bekamen die Schüler nun ihre Zeugnisse verliehen und kamen danach zu einem letzten Gruppenbild auf dem Schulgelände zusammen.

Schulleiter Christoph Dombrowski erinnerte in seiner Begrüßung an den Namensgeber der Schule. Der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz starb 1716, also vor genau 300 Jahren. Dies sei Grund für die Schule, demnächst dem Namensgeber ein Themen-Jahr zu widmen. Da die jetzigen Abiturienten dies aber nicht mehr mitbekämen, gab er ihnen die wichtigsten Hinterlassenschaften des Philosophen, Mathematikers, Diplomaten, Historikers und politischer Beraters der frühen Aufklärung zum Abschied mit auf den Weg. Der Gelehrte entwickelte ein binäres Zahlensystem, die Grundlage der heutigen Computertechnik. Aber auch als Philosoph trat er in Erscheinung, forderte bereits damals ein Versicherungssystem für unverschuldet in Not geratene Menschen und prägte in seinem Gesellschaftsentwurf den Begriff „unitas in multitudine“, Einheit der Vielfalt. Er nannte unsere Welt, die Beste aller möglichen Welten, da sie dem Einzelnen die Freiheit gibt, Neues zu entdecken und sich zu entwickeln. In diesem Sinne rief Dombrowski den Abiturienten zu: „Lösen Sie die Leinen und brechen Sie auf, in die beste aller Welten.“

Von Seiten der Abiturienten gaben Sarah Peetz, Paula Frühauf, Benjamin Denke und Milad Kazimi einen ironischen Rückblick auf die Schulzeit: von der Einschulung mit viel zu großen Zuckertüten und Ranzen, über den Übergang zur Leibnizschule; von der Ankunft in der fünften Klasse, über die Zeit der Pubertät, die Entdeckung des Alkohols mit seinen zwei ständigen Begleitern Ekstase und Kater, bis zum Druck in der Oberstufe. Bevor die Schüler ihr Abiturzeugnis in Empfang nehmen konnten, gab es noch Auszeichnungen für die Besten etwa in Biologie oder Deutsch. Insgesamt erreichte der Jahrgang eine Durchschnittsnote von 2,45, wie der Schulleiter berichtet. 28 Schüler hatten eine eins vor dem Komma. Bei Milad Kazimi, Christian Schneider und David Rivic stand gar die Traumnote 1,0.

Archivbilder aus dem Jahr 2015:

Bilder: Abifeier der Leibnizschule

Nach dem Abschluss verschlägt es die Abiturienten nun in alle Himmelsrichtungen. Melinda Balkay beginnt im September ein Studium in Holland. Ihre Mutter verspürt Stolz und Freude, wie sie sagt, dass nun auch ihr Nesthäkchen diesen wichtigen Punkt im Leben erreicht hat. Luca Stadtfeld ist einfach erleichtert, dass es vorbei ist. Er will sich ein halbes Jahr Auszeit gönnen und dann Medizin studieren. Rebecca Blum kann es noch gar nicht begreifen, dass es jetzt vorbei ist. „Es ist ein wichtiges Kapitel, das abgeschlossen ist.“ Der Druck sei eigentlich schon nach den schriftlichen Prüfungen weg gewesen. Jetzt fühlt sie sich eher etwas ins kalte Wasser geworfen, denn sie weiß noch nicht, was sie machen will, wohin es sie treibt in dieser besten aller möglichen Welten.

Kommentare