„Das Leben ist kein Ponyhof“

Hesse-Schülern haben nach Abschluss Qual der Wahl

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Zum bunten Programm der Abschlussfeier gehörten die Vorführungen einzelner Klassen.

Obertshausen - Früher hieß der Schauplatz mal Aquarium. Drückend schwül war es dort - und ist es heute noch. Doch ein buntes Programm aus Gesang, Schulband, Oscar-Verleihung und „Herzblatt“ hätte das Klima im Herzstück der Hesse-Schule beinahe vergessen gemacht. Von Michael Prochnow 

Aber nur fast. Die Abschluss-Schüler in ihrer Abendgarderobe fächerten sich angestrengt Luft zu. Die Feier, für viele auf der Bühne der Abschied von der Schulzeit, wird den Jugendlichen aber vor allem wegen der emotionalen Momente noch lange in Erinnerung bleiben. Für die einen beginnt mit dem Empfang des Abschlusszeugnisses ein ganz neuer Lebensabschnitt. Sie starten in einem Betrieb eine Berufsausbildung, was allerdings auch mit Schule und Unterricht verbunden ist. Die meisten wechseln lediglich „Penne“ und Klassenkameraden, besuchen künftig eine gymnasiale Oberstufe oder eine berufliche Schule.

Die Möglichkeiten sind mannigfaltig. Die Oberstufen haben verschiedene Schwerpunkte, setzen auf Leistungskurse in musischen, technischen und sozialen Feldern. Die benachbarte Georg-Kerschensteiner-Schule etwa konzentriert sich auf Wirtschaft, Ernährung und Tourismus. Handwerkskammern bevorzugen hingegen, wenn sich Schüler direkt nach Haupt- oder Realschulabschluss bewerben.

Hesse-Schulleiter Michael Weis nahm beim Abschied kein Blatt vor den Mund, kritisierte zweifelhafte „Scherze“ mit Rasierschaum und Sprühsahne, Ketchup und Sekundenkleber. „Man nennt das gemeinhin Vandalismus“, stellte er klar. „Man verliert fast die Lust, an eine Abschlussfeier zu denken“, und diese Unlust werde durch Eltern gesteigert, „die das nicht so schlimm finden“.

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Dann gebe es aber noch die anderen Jugendlichen, die sich von solchen Aktionen fernhalten und helfen, die Verschmutzungen zu beseitigen. Mehrere Übeltäter wurden diesmal benannt und von der Feier ausgeschlossen. Doch auch die „Welt draußen“ geriet ins Wanken, durch „Radikale aus Politik und mit angeblich religiösen Hintergrund“, sie wollen „Angst einflößen, sodass unsere Freiheit immer mehr preisgegeben wird“, analysierte Weis.

„Das Leben ist kein Ponyhof“, rief er auf, „wir müssen es mit beiden Händen packen und etwas draus machen, am besten gemeinsam“. Der Direktor zeigte sich stolz, dass an seiner Schule Jugendliche aus vielen Nationen, Kulturen und Religionen „ganz selbstverständlich zusammen lernen und Spaß haben“. Und alle haben einen Pass, den Schülerausweis der Hermann-Hesse-Schule.

„Jeder soll so leben, wie es ihm gefällt, solange er nicht die Freiheit anderer einschränkt“, rief er Schülern und Eltern zu. „Zeigen wir es den ewig Gestrigen und allen Fanatikern: Wir leben ohne Rassismus und in Achtung voreinander.“ Und noch eine Botschaft gab Weis bei seiner letzten Abschiedsrede vor seiner Pensionierung mit auf den Weg: „Der Mensch fängt nicht beim Gymnasiasten an. Es kommt darauf an, welche Persönlichkeit man ist.“

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