Mit 15 schon im Hörsaal

Karl-Rehbein-Abiturient hat einen IQ von über 130

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Fahrradfahren, Tennis, tanzen - bei allem Erkenntnisdrang ist Fabian Vogel alles andere als ein Stubenhocker.

Hanau - Eine glatte 1,0 steht auf dem Zeugnis, das Fabian Vogel bei der Abiturfeier der Karl-Rehbein-Schule überreicht bekam. Dem waren fünfmal 15 Punkte in den Abiturprüfungen vorangegangen - mehr geht nicht. Beeindruckende Leistung. Von Laura Hombach 

Aber es kommt noch besser: Denn Fabian Vogel, der mit seiner Familie in Mittelbuchen lebt, ist gerade einmal 15 Jahre alt. Von der schulischen Überfliegerkarriere ahnte niemand etwas, als der kleine Fabian - zwar als Kann-Kind mit fünf Jahren, aber sonst ohne großartige Vorkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen - eingeschult wurde. Aber schon wenige Wochen später wurde deutlich, dass der Fünfjährige unterfordert war. So folgte zu den Herbstferien ein Sprung in die 2. Klasse, die Fabian genauso wie die 3. Klasse ganz normal durchlief. Die 4. Klasse übersprang er ebenfalls, so dass er bereits mit sieben Jahren zwischen drei Jahre älteren Mitschülern der 5. Klasse im Karl-Rehbein-Gymnasium saß.

Mit dieser ungewöhnlichen Schulkarriere einhergehende Schultests hatten da schon die Erklärung für das Phänomen geliefert: Fabian ist hochbegabt. „Das war für uns ein echtes Aha-Erlebnis“, erklärt Mutter Annabelle Vogel. Jetzt wusste sie endlich, weshalb sie von ihren beiden Söhnen (es stellte sich heraus, dass auch Fabians jüngerer Bruder Felix hochbegabt ist) schon ununterbrochen mit Fragen gelöchert wurde. „Ich fand das sehr anstrengend, aber da es ja beide gemacht haben, dachte ich, das sei einfach kindliche Neugier.“ Zum überbordenden Erkenntnisdrang der beiden gehörte auch, dass es sie bereits morgens um 5 Uhr nicht mehr in den Betten hielt, oder dass sie kurzerhand den Staubsauger zu Forschungszwecken auseinandernahmen.

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Natürlich hätten sie und ihr Mann Stefan sich zunächst Gedanken gemacht, ob sie den beiden auf Hochtouren arbeitenden Gehirnen ihrer beiden Sprösslinge auch genügend Input geben können, schildert die Mutter. So gab es auch Überlegungen, Fabian auf ein Internat für Hochbegabte zu schicken. Doch der Familienrat kam zu dem Schluss, dass Fabian in der Familie und auf einer „normalen“ Schule besser aufgehoben ist. „Er soll ja einfach auch ein ganz normaler junger Mann werden“, sagt Annabelle Vogel. Und so geht die Familie mit der geballten Hochbegabung auch ganz entspannt um. Dazu gehört auch, dass Fabian seinen IQ nicht genau kennt. Er weiß nur, dass er weit über 130 liegt und nur wenige sich mit ihm in diesem hohen Intelligenzbereich tummeln. Eines Tages soll er den Quotienten zwar erfahren, aber bis dahin „soll er seinen Weg gegangen sein, ohne sich auf eine Zahl zu reduzieren“, sagt seine Mutter.

Der Weg, den Fabian bisher gegangen ist, ist auch mit zahlreichen Hobbys gepflastert: Er ist mit großer Begeisterung in der Natur unterwegs, spielt Tennis, tanzt in der Tanzschule Berné, spielt Geige und Klavier und ist als Messdiener in der Kirchengemeinde aktiv. Und natürlich verbringt er wie jeder Jugendliche auch gerne Zeit mit seinen Freunden. Freunde gefunden hat Fabian auch in seiner Klasse in der Karl-Rehbein-Schule. Der Altersunterschied stellte dabei kein großes Problem dar. Auch Fabians schulische Erfolge, die er selbst und seine Mutter mit seiner schnellen Auffassungsgabe erklären, wurden neidlos anerkannt. Dazu beigetragen hat sicherlich auch, dass es für den sympathischen 15-Jährigen ganz selbstverständlich war, seinen Mitschüler zu helfen. „Es war einfach auch ein guter Jahrgang“, lobt die Mutter die Mitschüler.

Abifeier der Karl-Rehbein-Schule in Hanau: Bilder

Noch nicht das Abitur in der Tasche, hat Fabian auch schon erste Erfahrungen mit der Frankfurter Goethe-Universität gemacht. Neben der Schule hat er dort jeweils ein Semester Mathematik und Informatik absolviert. Ab Oktober wird Fabians Weg ihn regelmäßig an die Universität führen. Mit einem Werkstudenten-Vertrag der Lufthansa in der Tasche will er Physik und Informatik studieren, um seine Kenntnisse dann gleichzeitig bei der Lufthansa in die berufliche Praxis umzusetzen. Über den Vertrag freut er sich um so mehr, als seine ursprüngliche Bewerbung bei dem Unternehmen für ein Duales Studium der Wirtschaftsinformatik nach einem Vorstellungsgespräch zunächst negativ beschieden wurde. „Dann wurde ich zu einem zweiten Gespräch geladen, bei dem man mir sagte, ich sei für meine ursprüngliche Bewerbung überqualifiziert, und dass sie mir einen Werksstudentenvertrag anbieten“, schildert der 15-Jährige.

Trotz seiner Überflieger-Qualitäten ist Fabian ein ganz bodenständiger Jugendlicher geblieben. So freut er sich als Belohnung für sein Abitur auf eine mehrtägige Fahrradtour mit der ganzen Familie. Zur Vorfreude trägt sicherlich auch bei, dass Fabian und sein Bruder Felix ein sehr enges Verhältnis haben. Kein Wunder, können sich die beiden doch auf einem Niveau austauschen, bei dem jeder andere schon lange kapituliert hätte. Im  Urlaub  könnte am Frühstückstisch durchaus darüber diskutiert werden, ob die Frage  nach  dem Ergebnis der Multiplikation von Null mal Unendlich unter mathematischen oder logischen Gesichtspunkten zu betrachten ist. Bei etwaigen Ohrenzeugen gäbe das Anlass zur Verwunderung. Bei Vogels wäre es eine ganz normale Szene im Familienleben mit zwei außergewöhnlichen Kindern.

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