START-Stiftung fördert begabte und engagierte Jugendliche mit Migrationshintergrund

Noch nicht am Ende des Wegs

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Im festlichen Ambiente des Capitols feierten am Donnerstagabend 172 junge Menschen den Abschluss ihrer Schülerstipendiatenzeit.

Offenbach - Für 172 Stipendiaten der START-Stiftung, die aus allen Teilen Deutschlands nach Offenbach gekommen sind, wird die Abiturientenverabschiedung im Capitol zu einem unvergesslichen Abend. Von Harald H. Richter 

Zum Teil haben sie lange Anreisen in Kauf genommen. „Um halb fünf bin ich aus den Federn gekrochen“, sagt ein junger Mann aus Schleswig-Holstein. Nun steht er erwartungsvoll und im feinen Zwirn inmitten einer Gruppe Schüler aus seinem Bundesland, nimmt das unvergleichliche Fluidum wahr, das diesen Abend ein einzigartiges Erlebnis werden lässt. Für die 19-jährige Ilham Ouali Belaid, Absolventin des Claus-von-Stauffenberg-Gymnasiums, ist der Weg zum Schauplatz des Geschehens ein kürzerer, allemal für die gleichaltrigen Offenbacher Rudolf-Koch-Schüler Mazlum Bilgin und Hieu Tran Quang. Sie gehören mit weiteren 19 Hessen zu den von der START-Stiftung eingeladen 172 Jugendlichen aus 14 Bundesländern, die an der festlichen Abiturientenverabschiedung teilnehmen können. Insgesamt 250 Gäste sind im Capitol versammelt. Die Veranstaltung markiert zwar den Abschluss ihres Stipendienprogramms, was nicht gleichbedeutend ist mit dem Ende eines Weges, sondern lässt kurz innehalten, um dann ein weiteres Kapitel aufzuschlagen. Denn nicht wenige aus diesem Jahrgang wollen sich als Alumni oder Mentoren für die nächste Stipendiatengeneration einsetzen, manche sogar mit eigenen Projekten.

START-Helfer Steffen Kitz von der Frankfurter Bethmann Bank freute sich mit den Offenbacher Gymnasiasten Hieu Tran Quang und Mazlum Bilgin, die ebenso wie die Rodgauerin Ilham Ouali Belaid am Stipendiatenprogramm teilgenommen haben.

Die jungen Leute haben Migrationshintergrund, wurden entweder in Deutschland geboren oder kamen während der Kindheit hierher. Sie eint die Herausforderung, ihre Bildungsbiografie neu zu gestalten. „Dies ist euch gelungen“, bescheinigt Neurowissenschaftler Prof. Michael Madeja, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die 2002 in Hessen begonnen hat, Förderbeihilfen an Schüler zu vergeben. Seit neun Jahren führt die START-Stiftung als Tochtergesellschaft dieses Projekt weiter, das es – außer in Baden-Württemberg und Bayern – in allen Bundesländern gibt. Finanzielle Unterstützung, vielfältige Lernangebote über den eigentlichen Schulbesuch hinaus, intensive Betreuung und ein starkes Netzwerk aus jungen Zuwanderern, die ihren Weg erfolgreich gegangen sind, zeichnen das Projekt aus.

„Das mehrjährige Stipendiat ist ein wertvoller Abschnitt in meinem Leben gewesen“, bekennt Hieu Tran Quang, dessen Familie aus Vietnam stammt. Er wurde in Sachsen-Anhalt geboren und wuchs in Offenbach auf. Nachhaltig hat er von dem Programm profitieren können, nicht zuletzt wegen der Begleitung durch einen persönlichen Paten. In seinem Fall ist es Lothar Henning, Niederlassungsleiter der Frankfurter Bethmann Bank. Auch Abteilungsdirektor Steffen Kitz freut sich mit dem selbstbewussten 19-Jährigen über das bisher Erreichte, vor allem über dessen respektablen Schulabschluss. „Unser Haus engagiert sich schon länger in der Hertie-Stiftung, die Teilnahme am Schülerstipendienprogramm war unser erstes, aber gewiss nicht letztes Mal“, sagt er. Auch Ilham, deren Wurzeln in Marokko und Spanien liegen, misst ihrer mehrjährigen Berücksichtigung einen hohen Stellenwert bei. „Ich habe Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfahren dürfen, zugleich viel gelernt“, sagt die junge Frau dankbar. Ähnlich sieht es Mazlum, von türkisch-kurdischer Herkunft und vier Jahre eingebunden. „Das Programm hat mich in meiner persönlichen Entwicklung ein gewaltiges Stück voran gebracht.“

Abitur und Schulabschluss: Klassenbilder aus der Region

Familiärer Charakter, Zusammengehörigkeit und erlebter Teamgeist kommen an diesem Abend immer wieder zum Ausdruck, in den Ansprachen der START-Geschäftsführer Andrea Bartl und Robert Hasse ebenso wie aus dem Kreis der Jugendlichen selbst, von ihren Verbundsprechern sowie verschiedenen Ehemaligeninitiativen. Sie gestalten wesentliche Teile des Programms, lassen auf der Capitol-Bühne zwei Bands aufspielen, die zu begeistern verstehen, führen eine Theaterszene auf, bieten eine Tanzperformance im Bollywood-Stil und fiebern der feierlichen Übergange der Zertifikate entgegen.

hr-Moderator Tim Frühling und START-Geschäftsführerin Andrea Bartl rufen jeden Abiturienten namentlich auf. Rasch wird noch einmal der perfekte Sitz der Krawatte geprüft, das Cocktailkleid glatt gestrichen, dann geht’s für die scheidenden Stipendiaten dieses Jahrgangs ins Rampenlicht der Bühne. Für die Gruppenfotos wird es drangvoll eng. Kaum anders später in der eigens für diesen Anlass in den oberen Capitol-Räumen eingerichteten Disco.

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