Kritik an Regierung für "versäumte Investitionen"

ADAC und Spediteure: Hessen bleibt noch lange Stauland

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Gehört zum Alltag: Warten auf der Autobahn. Die Regierung in Wiesbaden will die Situation mit Milliardeninvestitionen in Straße und Schiene verbessern.

Wiesbaden -  Mit einer großen Geldspritze hat die hessische Landesregierung vergangenes Jahr versucht, die Situation im Verkehr zu verbessern. Und sie will auch in Zukunft kräftig investieren. Ob sich damit das Stau-Chaos verringern lässt, ist aber unwahrscheinlich. ADAC und Spediteure bezweifeln, dass die Mittel ausreichen.

Die Hessen stehen im Stau. Besonders im Rhein-Main-Gebiet wird die tägliche Fahrt zur Arbeit oft zur nervenaufreibenden Geduldsprobe. Dabei sind nicht nur Autobahnen und Landstraßen überlastet und zum Teil marode, auch der Schienennahverkehr ist an seiner Kapazitätsgrenze angelangt.

Mit großen Investitionen in die Infrastruktur will die hessische Landesregierung den Sanierungsstau beheben, der sich in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut hat. Fast 700 Millionen Euro Bundesgeld wurden 2017 bereits ins hessische Bundesfernstraßennetz investiert. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir gab gestern bei der Präsentation der Zahlen an, dass das immerhin 60 Millionen Euro mehr seien, als der Bund zu Beginn des Jahres in Aussicht gestellt hatte.

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Zu den größten Projekten gehören der Umbau des Kirchheimer Dreiecks, der Neubau der Schiersteiner Brücke, die Erneuerung der Salzbachtalbrücke bei Wiesbaden und der Bau des Riederwaldtunnels in Frankfurt. Die Landesregierung investiert auch in marode Landesstraßen – bis 2022 etwa 385 Millionen Euro.

In den nächsten Jahrzehnten fließen laut Ministerium zudem zwölf Milliarden Euro in zwölf Großprojekte beim Ausbau des Schienennetzes. Zu diesen gehören unter anderem die Regionaltangente West (RTW), die Aus- und Neubaustrecke Hanau-Würzburg sowie eigene Gleise für die S6 und die Neubaustrecke Rhein-Main/Rhein-Neckar, die zwischen Frankfurt und Mannheim verlaufen soll.

Autobahn-Ärger: Hier stehen Hessen häufig im Stau

Thorsten Hölser, Geschäftsführer des Speditions- und Logistikverbandes Hessen/Rheinland-Pfalz (SLV) ist skeptisch: „Wir können in zwei oder drei Jahren nicht aufholen, was in den vergangenen 30 Jahren versäumt wurde.“ Seiner Einschätzung nach wird es etwa zehn Jahre dauern, bis die größten Probleme beseitigt sind.

Auch der ADAC Hessen-Thüringen geht davon aus, dass es noch sehr lange dauern wird, um Hessens Infrastruktur wieder auf Vordermann zu bringen. Es sei zwei Jahrzehnte lang zu wenig investiert worden, so Wolfgang Herda, Leiter des Bereichs Verkehr. Er räumt ein, dass die Sanierungsoffensive für eine „Verstetigung“ der Investitionen sorge. Gut sei, dass die Regierung den Ausbau der Radschnellwege entlang der Landesstraßen forciere. „Da hängt Hessen im Vergleich der Bundesländer hinterher. Das ist der richtige Weg“, so Herda. (dpa)

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