„Ende der Eigenständigkeit“

Opel-Entwicklungszentrum: Alarmstimmung in Rüsselsheim

Rüsselsheim - Neue Unsicherheit am Opel-Standort Rüsselsheim: Angeblich denkt der Mutterkonzern PSA darüber nach, sich von Teilen des Entwicklungszentrums (ITEZ) zu trennen. Der Betriebsrat ist alarmiert. Experten sehen bereits das Ende der Opel-Eigenständigkeit. Von Achim Lederle

Die Nachricht ließ die Opelaner aufhorchen: Der Autobauer lotet für das ITEZ „mögliche Partnerschaften“ aus, so ein Sprecher am Dienstagabend. Die Rede war von „strategischen Allianzen“. Die französische Zeitung „Le Monde“ wurde konkreter: PSA überlege, sich von einigen Bereichen des ITEZ mit bis zu 4000 Beschäftigten zu trennen. Laut Medienberichten sondierten PSA und Opel bereits mehrere Dienstleister, darunter die französischen Altran, Akka und Segula sowie den deutschen Bertrandt. Gestern nun ein halbherziges Dementi von Opel-Chef Michael Lohscheller, der erklärte: „Unser Engineering ist und bleibt Kern von Opel.“ Die Arbeitnehmervertreter sind jedoch alarmiert: „Wir werden einen solchen Angriff auf das Herz der Marke Opel und die Beschäftigung im ITEZ nicht kampflos hinnehmen“, so der Opel-Gesamtbetriebsrat. Für heute wurde kurzfristig eine Betriebsversammlung einberufen, bei der das Management Rede und Antwort stehen soll.

„Es sieht so aus, als verfährt PSA-Chef Carlos Tavares nach dem Motto: Der Wert von Opel liegt in den 1,2 Millionen Käufern von Fahrzeugen und nicht in der Entwicklung oder in der Produktion“, kommentierte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center der Universität Duisburg-Essen die jüngsten Entwicklungen. Tavares habe sich mit Opel den Absatz von 1,2 Millionen Neuwagen von GM „gekauft“. Im Beipack sei der Sanierungsbedarf der Werke und des ITEZ gewesen. „Der Beipack scheint Stück für Stück geschrumpft zu werden. Der Verkauf großer Teile des Entwicklungszentrums ist daher für Chef Tavares nur ein folgerichtiger Sanierungsschritt.“

Was beim privaten Carsharing zu beachten ist

Der Verkauf großer Teile des Entwicklungszentrums ebenso wie der Abbau von vielen Stellen seien scheinbar bereits bei der Übernahme geplant gewesen. „Man muss davon ausgehen, dass dies nicht die letzte Aktion zur Profitabilitätsverbesserung sein wird. Opel entwickelt sich damit zu einer Art Verkaufsabteilung mit angeschlossener Produktion und Mini-Entwicklung“, schlussfolgert Dudenhöffer. Der „Auto-Professor“ sieht die Eigenständigkeit der Marke Opel in großer Gefahr: „Die Fahrzeuge werden austauschbar.“ Opel werde in zunehmendem Maße zur reinen Hülle für Citröen- und Peugeot-Fahrzeuge.

Rubriklistenbild: © dpa

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