Pöbeleien und Psychoterror

Fuldaer Gewerkschafter erhält Todesdrohungen 

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Fulda - Seit mehr als einem Jahr wird Andreas Goerke,  Vorsitzender des Bündnisses „Fulda stellt sich quer“,  von diversen gefälschten Facebook-Profilen aus beleidigt. Absender sind Goerke zufolge offensichtlich Rechtsradikale.

Prügel, ja, die seien ihm schon mal angedroht worden. „Aber das hier hat eine andere Dimension“, sagt Goerke. Von Beruf ist er Gewerkschaftssekretär bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), in seiner Freizeit Vorsitzender des Bündnisses „Fulda stellt sich quer“ – ein Verein, der unter anderem gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus kämpft. Goerke (53), seine Frau (46) und sein Sohn (17) sehen sich einer üblen Kampagne mit Bedrohungen, Pöbeleien und Psychoterror ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft Fulda ermittelt. Ihnen könnte missfallen, dass Goerke mit der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano Veranstaltungen in Fulda machte oder dass er sich mit Mitstreitern vor Ort gegen geplante AfD-Versammlungen richtet – und einiges mehr.

Andreas Goerke wird seit Monaten terrorisiert. 

Nach den Beleidigungen ging es laut Goerke weiter mit Telefonterror. Es folgten säckeweise nicht bestellte Kataloge, Bücher, Kontaktmagazine, Pornohefte und andere Waren. Anfang Februar fuhr eine Kolonne Feuerwehrwagen vor. Ein anonymer Anrufer hatte einen Brand gemeldet, den es gar nicht gab. Während des Einsatzes seien über ein halbes Dutzend Pizzaboten angekommen und hätten Waren im Wert von einigen Hundert Euro geliefert. Einige Tage später umzingelten Polizisten mit gezückten Waffen das Haus der Familie. Vorher hatte sich ein Anrufer bei der Polizei gemeldet, der sich als Andreas Goerke ausgab und beichtete, gerade seine Frau umgebracht zu haben. Dies ließ sich schnell entkräften, weil Goerkes Frau zu Hause war.

An Manuela Goerke ging ein anonymer Brief – mit einer Morddrohung gegen ihren Sohn. „Dein Sohn Lucas ist tot!!!“ Er wird als „Dreckssohn eines linksradikalen Kommunisten“ bezeichnet. Goerke ist Mitglied der DKP. Die 1968 gegründete Partei ist im Visier des Verfassungsschutzes. Goerke glaubt, dass die Kampagne aus dem rechten Milieu gesteuert wird. Sie hat Spuren hinterlassen. Er gibt sich kämpferisch: „Wir wollen uns nicht zermürben lassen. Wir bekommen viel Zuspruch aus unserem Umfeld und darüber hinaus.“ Er wolle das Signal setzen, dass jeder ähnlich Bedrohte sich wehren solle.

Tillich will gegen fremdenfeindliche Übergriffe vorgehen

Der Fuldaer Fall ragt im Vergleich zu anderen Bedrohungsszenarien gegen Einzelpersonen heraus. Das Polizeipräsidium Mittelhessen etwa kennt Fälle, in denen es um Beleidigung und Sachbeschädigung geht, allerdings teils auch um Körperverletzung. „Das ist in dieser Heftigkeit schon etwas Besonderes“, sagt Malte Lantzsch vom Mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus und für demokratische Kultur in Hessen. Die Beschimpfungen und Verunglimpfungen von rechts hätten in Hessen zugenommen. Vor allem in der Anonymität des Internets sei die Hass-Rede immer präsenter. „Und die Akteure stammen nicht vom Rand der Gesellschaft, sondern es ist ein Extremismus der Mitte.“

Auch Kommunalpolitiker geraten zunehmend in das Visier Rechtsextremer. Prominentes Beispiel ist der Fall Erich Pipa. Der scheidende SPD-Landrat des Main-Kinzig-Kreises wurde für seine praktizierte Willkommenskultur wiederholt übel beschimpft und mit dem Tode bedroht. Mit ein Grund für seinen Rückzug aus der Politik. (dpa)

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