Hessen zieht Bilanz der Bauland-Offensive

Anschubhilfe für Wohnraum

Wiesbaden - Ein Jahr nach dem Start der Bauland-Offensive für mehr bezahlbare Wohnungen hat Hessen eine positive Bilanz gezogen. Bislang hätten 44 Kommunen Interesse an einer Unterstützung bekundet, sagte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) in Wiesbaden.

Die Bauland-Offensive Hessen GmbH unterstützt Kommunen bei der Entwicklung von brachliegenden Flächen und der Umwandlung leer stehender Immobilien in Wohnraum. Vorrangige Aufgabe der Tochtergesellschaft der Nassauischen Heimstätte ist, Wirtschaftlichkeit und Entwicklungspotenziale bisher mindergenutzter oder brach gefallener Flächen in integrierten Lagen von Städten und Gemeinden zu untersuchen, bei der Aufstellung einer Bauleitplanung mitzuwirken sowie die spätere Vermarktung der baureifen Grundstücke zu stemmen.

Die technische Geschäftsführerin der Nassauischen Heimstätte, Monika Fontaine-Kretschmer, berichtet von 14 Machbarkeitsstudien, die derzeit mit Schwerpunkt in Südhessen bearbeitet werden. Diese Projekte hätten Potenzial für 6 200 neue Wohnungen. Vier Machbarkeitsstudien seien abgeschlossen, unter anderem für die Stadt Heusenstamm, wo auf zwei Parzellen 400 Wohnungen entstehen könnten.

„Auf beiden Flächen gibt es Probleme, die es im Lauf des Verfahrens zu lösen gilt“, so Heusenstamms Bürgermeister Halil Öztas (SPD) nach Mitteilung des Ministeriums. „Zum einen sind jeweils mindestens zwei Eigentümer beteiligt, außerdem ist laut Flächennutzungsplan auf beiden Arealen nur Gewerbe zugelassen, deshalb müssen also Zielabweichungsverfahren durchgeführt werden. Unterschiedliche Belange müssen berücksichtigt, Wirtschaftlichkeitsanalysen für das Projekt müssen erarbeitet werden. Genau da ist die Bauland-Offensive ein extrem wertvoller Partner.“

Die vergangene Woche im Bauausschuss der Stadt vorgestellte Machbarkeitsstudie sieht für das 3,5 Hektar große Gelände des Brückenbauhofs eine Mischnutzung aus Gewerbe- und Wohnbebauung mit mehrgeschossigen Mietshäusern, Grünflächen und einen Quartiersplatz vor. Wohnbebauung mit Mehrfamilienhäusern, Reihen- und Doppelhäusern sowie Stadtvillen sind für das Gelände des ehemaligen Fernmeldezeugamts vorgesehen. Dort sind die Besitzverhältnisse komplizierter. Neben Gewerbebetrieben und dem Depot des Frankfurter Museums für Kommunikation ist der städtische Hort da untergebracht.

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Man werde intensiv mit den Eigentümern der beiden Grundstücke sprechen, kündigt Bürgermeister Öztas im städtischen Bauausschuss an. Dann müsse man Ziele formulieren, städtebauliche Verträge vereinbaren und die Bebauungspläne ins Verfahren bringen. Das dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Zahl von 44 Kommunen, die Interesse bekundet haben, entspreche etwa einem Drittel aller hessischen Städte und Gemeinden mit Wohnungsdefizit. Eine Studie des Instituts für Wohnen und Umwelt in Darmstadt habe ergeben, dass es in 135 von 426 Kommunen zu wenig Wohnungen gebe, erklärte Fontaine-Kretschmer. Nach ihrer Einschätzung kommt die Bauland-Unterstützung dort an, wo sie gebraucht wird. (dpa/cm)

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