In Jubel mischt sich Sorge

Arbeitslosenzahlen sinken weiter, gleichzeitig wächst Fachkräftebedarf

Offenbach/Hanau - Während die Arbeitslosenzahlen in Deutschland im April auf ein weiteres Rekordtief gesunken sind, fielen die Rückgänge in der Region moderat aus. Von Achim Lederle 

„Im April ist die Arbeitslosenquote auf dem Vormonatswert stehen geblieben; gleichwohl sind die Arbeitslosenzahlen leicht gesunken“, sagte Thomas Iser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Offenbacher Arbeitsagentur. 14.979 Frauen und Männer waren im April arbeitslos gemeldet, 41 weniger als im März. Die Erwerbslosenquote blieb davon unbeeinflusst; sie stagnierte mit 5,8 Prozent auf dem Wert des Vormonats. 6742 Menschen waren im April in der Stadt Offenbach arbeitslos, 0,1 Prozent weniger als im März. Die Arbeitslosenquote blieb auf dem Vormonatswert von 9,5 Prozent. 8237 Männer und Frauen waren im Landkreis Offenbach arbeitslos gemeldet, das waren 0,4 Prozent weniger als im Vormonat. Auch hier blieb die Arbeitslosenquote unverändert gegenüber März: 4,4 Prozent.

„Auch im April ist die Arbeitslosigkeit im Hanauer Agenturbezirk gesunken. Gegenüber März ging der Rückgang sogar über das saisonübliche Maß hinaus. Dabei hat sich die Entwicklung des Vormonats fortgesetzt: Der Abbau vollzog sich vor allem im Verantwortungsbereich der Arbeitsagentur, also bei jenen Personen, die noch nicht lange arbeitslos sind“, erläuterte Heike Hengster, Vorsitzende der Geschäftsführung der Hanauer Arbeitsagentur. 9669 Männer und Frauen waren im April im Hanauer Agenturbezirk arbeitslos, 319 weniger als im März. Die Arbeitslosenquote ging zurück auf 4,3 Prozent gegenüber 4,5 Prozent im Vormonat. In der Stadt Hanau waren 3809 Menschen arbeitslos, 92 weniger als im letzten Monat. Die Arbeitslosenquote fiel auf 7,7 gegenüber 7,9 Prozent im März. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg waren im April 7321 (Vormonat 7366) Menschen arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl der Erwerbslosen um 45 (minus 0,6 Prozent). Die Arbeitslosenquote lag bei 4,5 Prozent.

In den Jubel um niedrige Arbeitslosenzahlen mischt sich in Hessen immer mehr die Sorge um fehlende Fachkräfte. Mit Hinweis auf die mehr als 55.000 offenen Stellen im Land erklärte der Chef der hessischen Regionaldirektion der Arbeitsagentur laut Agentur dpa, dass der hohe Fachkräftebedarf aus den Reihen der Arbeitslosen nicht mehr gedeckt werden könne. Im Schnitt dauere die Besetzung einer Stelle inzwischen mehr als 100 Tage.

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„Fast 60 Prozent aller Arbeitslosen in Hessen haben keine Berufsausbildung, Tendenz steigend. Diese Menschen werden auf absehbare Zeit die Fachkräftelücke nicht schließen können“, so Martin laut einer Mitteilung. Auf dem Ausbildungsmarkt mache sich der demografische Wandel immer stärker bemerkbar, sodass 2018 voraussichtlich erneut tausende Lehrstellen unbesetzt blieben. Für kleine und mittlere Unternehmen werde die Nachwuchsgewinnung immer schwieriger.

Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im April auf 157.860 Männer und Frauen gesunken. Das entsprach einer Quote von 4,7 Prozent und markierte den niedrigsten Stand in einem April seit 37 Jahren. In neun von 26 Kreisen und kreisfreien Städten Hessens liegt die Quote bereits unter vier Prozent. Auch bundesweit hat der Frühjahrsaufschwung die Arbeitslosigkeit auf ein neues Rekordtief sinken lassen. Mit 2,384 Millionen rutschte die Zahl der Erwerbslosen auf den niedrigsten April-Stand seit der Wiedervereinigung, teilte die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg laut dpa mit. Im Vergleich zum März waren damit 74.000 weniger Menschen arbeitslos als im März. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 5,3 Prozent.

Rubriklistenbild: © dpa

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