Proteste von Atomkraftgegner

Atommüll-Transport: Castor-Zug erreicht Biblis - Aktivisten demonstrieren am Bahnhof

Rotes Flatterband am Bahnhof in Biblis
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Polizeiabsperrung am Bahnhof in Biblis

Atommüll-Behälter werden von der Nordsee durch Deutschland bis nach Biblis (Hessen) transportiert. Der Transport ist angekommen. Atomkraft-Gegnern sind vor Ort.

Update vom Mittwoch, 04.11.2020, 09.30 Uhr: Nach Informationen der Deutschen-Presse-Agentur ist der Castor-Transport mit deutschem Atommüll aus der britischen Atomanlage Sellafield in Biblis (Kreis Bergstraße) eingetroffen. Am Mittwochmorgen gegen 8.00 Uhr erreichte der Zug den Zielbahnhof Biblis. Ungefähr zwei Dutzend Aktivisten demonstrierten am Bahnhof. Seit 00.50 Uhr ist der 600 Meter lange Zug mit sechs Castoren in Hessen unterwegs.

Weder in Hessen noch in Niedersachsen habe es nach Polizeiangaben entlang der Strecke Proteste und Störungen gegeben. Am Dienstagabend (03.11.2020) hatte der Zug den niedersächsischen Hafen Nordenham verlassen. Entlang der möglichen Strecken waren Proteste von Atomkraftgegnern angekündigt. In der Vergangenheit wurden Atommüll-Transporte oft von großen Demonstrationen mit Blockaden der Gleise begleitet.

Atommüll-Transport nach Biblis: Verladung der Castor-Behälter

Erstmeldung vom Dienstag, 03.11.2020, 16.25 Uhr: Biblis - Im Hafen Nordenham an der Weser wurden am heutigen Dienstag (03.11.2020) die letzten zwei Castor-Behälter vom Schiff auf die Bahn geladen. Das sagte ein Sprecher der engagierten Transportfirma GNS. Nun sollen die Behälter durch Deutschland in das Zwischenlager am stillgelegten Kernkraftwerk Biblis in Hessen transportiert werden. Wann genau der Transport stattfinden soll, ist bislang unklar. Weder die Transportfirma noch die Polizei hatte bisher Angaben gemacht.

Castor-Transport nach Biblis in Hessen: Große Demos an der Strecke?

Castor-Transporte wurden in Vergangenheit oft von großen Demonstrationen mit Blockaden der Bahngleise begleitet. Atomkraftgegner kündigten Proteste in Nordenham und entlang der möglichen Fahrtstrecken nach Süden an. Mehrere Bahnstrecken in Niedersachsen, Hessen, Bremen und Nordrhein-Westfalen wurden nach Angaben der Bundespolizei gesperrt.

Hessens Landespolizeipräsident Roland Ullmann sieht laut der Deutschen-Presse-Agentur keine Hinweise auf eine „konkrete Gefährdung“ des geplanten Atommülltransportes von der Nordsee nach Biblis (Hessen). „Mit möglichen Aktionen muss aber gerechnet werden“, so Ullmann. Deshalb sei die hessische Polizei „gut aufgestellt und leiste ihren Beitrag“.

Atommülltransport nach Biblis (Hessen): Politik in Kritik

„Wir erwarten für die nächsten Stunden die Abfahrt des Zuges von Nordenham nach Biblis“, sagte eine Sprecherin des Bündnisses Castor-stoppen in Nordenham. In der Kritik stehen nach ihren Angaben die Atommüllpolitik und die ungeklärte Frage nach dem Endlager. Die Atomabfälle waren in der britischen Atomanlage Sellafield bearbeitet worden. Aufgrund internationalen Verpflichtungen muss Deutschland im Ausland aufbereiteten Atommüll zurücknehmen.

Nach der Aufbereitung hatte das Spezialschiff „Pacific Grebe“ die sechs Castoren nach mehrtägiger Fahrt über die Nordsee am Montag (02.11.2020) nach Nordenham gebracht. Am selben Tag wurden die vier Container auf die Eisenbahnwagen gehoben. Vor der Fahrt sollen am heutigen Dienstag (03.11.2020) weitere Strahlungsmessungen erfolgen, so ein Sprecher des Transportunternehmens. Außerdem müsse der Zug noch zusammengekoppelt werden.

Umweltminister von Niedersachsen kritisiert Proteste gegen Castor-Transport

Olaf Lies (SPD), Umweltminister von Niedersachsen, kritisierte die Proteste gegen den Castor-Transport in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ scharf. Mit Blick auf Corona solle man „doch einmal nachzudenken, ob es nicht sinnvoller wäre, auf mögliche Gegendemonstrationen zu verzichten - gerade weil wir eine pandemisch brenzlige Situation haben“. Der Atomausstieg sei beschlossen, deshalb ergebe es keinen Sinn, die alten Kämpfe wieder aufleben zu lassen. (Von Luisa Ebbrecht mit dpa)

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